3.8.2023 - Diana Bluhm

Fokussiert eure Produktentwicklung

Startups

Fünf Tipps für die Produktentwicklung in eurem Startup

Ein offenes Buch mit Infos zum MVP
© Austin Distel/unsplash

Die Geschäftsidee stand, die Business Strategie war geschrieben, das Produkt gelauncht und dann – nichts. Damit eurem Startup das nicht widerfährt, schauen wir uns an, warum Startups scheitern und wie sie es verhindern können. Unser Fokus heute: So erstellt ihr eure Produktstrategie richtig und so funktioniert Produktentwicklung im laufenden Geschäft.

In diesem Artikel haben wir euch die Studie von CB Insights vorgestellt, in der 101 gescheiterte Startups zu den Gründen ihres Geschäftsendes befragt wurden. Als Ergebnis erstellte CB Insights eine Liste mit den 20 meistgenannten Antworten, die wir in dem Artikel nennen.

In den Top 10 der Scheiter-Gründe gibt es zwei, die sich auf Produktthemen beziehen. Deshalb haben wir uns mit Hanna Rademaker aus dem Starthaus Bremen & Bremerhaven unterhalten. Sie hat verschiedene Unternehmen als Produktmanagerin unterstützt und bringt seit Mai 2023 ihre Expertise mit ins Starthaus. Dort arbeitet sie mit weiteren Kolleginnen und Kollegen in einem Team, das sich ausschließlich um Startups kümmert.

Damit euer Produkt so aufgestellt ist, dass es zum Erfolg eures Startups beiträgt – und nicht zum Scheitern, haben wir euch sechs nützliche Tipps rund um das Thema Produktentwicklung mitgebracht.

Tipp 1: Lebt customer centricity!

Damit ein Produkt erfolgreich sein kann, muss es von den Kundinnen und Kunden angenommen werden. „Die entscheidende Frage ist: Welches Problem löse ich für meine Kundinnen und Kunden?“, erklärt Hanna. „Wenn ich ein Produkt entwickle, versuche ich so oft wie möglich selbst mit ihnen zu sprechen.“ Nicht immer helfe es aber, sie direkt zu fragen, welche Lösung sie sich wünschen. Stattdessen sollte man seine Zielgruppe besser kennenlernen und selbst ein Verständnis dafür aufbauen, mit welchen Problemen sie jeden Tag konfrontiert sind. Auf dieser Basis kann das Startup selbst Lösungen entwickeln und diese möglichst früh mit den ersten Kundinnen und Kunden testen und Feedback einholen. Hierfür eignet sich der MOM-Test, bei dem durch gezielte Fragen herausgefunden wird, was die Zielgruppe genau braucht. Und weniger, ob sie das Produkt oder die Dienstleistung des Startups nutzen würden. „Wichtig ist zu erkennen, welche ‚Jobs-to-be-done‘ es gibt – also welche Probleme der Zielgruppe müssen eigentlich genau gelöst werden“, so die Startup-Beraterin. Anschließend sollte das Unternehmen evaluieren, warum es das schafft beziehungsweise nicht schafft. Mit diesem „User Centricity“ Ansatz kann der Scheiter-Grund „benutzer-unfreundliches Produkt“ aus der CB Studie umgangen werden.

Tipp 2: Erarbeitet eine klare Produktstrategie.

Eine ist besser als keine: Auch wenn das Startup noch nicht weiß, ob es die richtige Produktstrategie ist, sollten sie lieber eine als keine haben. Doch was genau ist eine „gute“ Produktstrategie? Hanna beschreibt sie so: „Eine gute Produktstrategie ist für mich eine, die klar abgrenzt, an welchen User-Problemen auf welchem Zeithorizont gearbeitet wird und auch an welchen eben nicht.“ Die Ziele sollten als Outcomes und nicht als Output (also das Ergebnis der Produktion) formuliert sein. Outcomes meint den Wirkungsgrad, also etwas Messbares. Dazu gehören Kennzahlen wie weekly oder daily active users (WAU/DAU) oder konkrete, gelöste User-Probleme. Die Leistung oder Deliverables (bei einer Software sind das zum Beispiel bestimmte Features oder Releases) sollten auch definiert werden, aber immer als eine mögliche Lösungsoption von vielen gesehen werden. Damit sind sie nicht per se Teil der Produktstrategie. „Hierfür eignet sich die sogenannte Product Roadmap“, erklärt sie. „Dieses Tool dient der Projektplanung und zeigt – oft wochenweise – auf, wann und wie die Produktentwicklung ablaufen soll sowie die Zuständigkeiten.“ Zusätzlich sollten externe Einflussfaktoren in der Strategie berücksichtigt werden. Dazu können Tools wie zum Beispiel eine PESTEL Analyse unterstützen. PESTEL steht für politische, wirtschaftliche, sozio-kulturelle, technologische und rechtliche Faktoren, die Einfluss auf die Projektplanung haben können. Dazu gehören unter anderem geplante Launches der Mitbewerber:innen oder auch Jahreszeiten-Abhängigkeiten. Hiermit kann ein Unternehmen zudem die Gefahr aus dem Grund „Produkt zum falschen Zeitpunkt rausgebracht“ minimieren.

Es sei außerdem hilfreich, die Gründe zu formulieren, warum sich das Startup für diese Strategie und nicht eine andere entscheidet. Das schaffe Transparenz und Kontext, der hilft, einen eventuell notwendigen Pivot zu erkennen. Das Wort „Pivot“ stammt aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt „Drehpunkt“ oder „sich drehen“. Im Startup-Zusammenhang ist damit die Neuausrichtung des Geschäftsmodells gemeint. Die Produktstrategie sollte von der Businessstrategie abgeleitet werden. Ein Widerspruch zwischen den beiden kann schnell zu unklaren Prioritäten führen.

Tipp 3: Priorisiert erst die Probleme und denkt dann über Lösungen nach.

Ein Produkt soll ein Problem für die Kundin oder den Kunden lösen. Nach der „Opportunity-Solution-Tree“-Methode von Teresa Torres sollte das Startup zuerst das Ziel, also die Lösung des „großen“ Problems erkennen. Meist lässt sich dieses Problem in mehrere kleinere, konkretere „Opportunities“ aufteilen, also Handlungsfelder, die etwas zur Lösung des Problems beitragen. Zu jeder Opportunity gibt es typischerweise unterschiedliche Lösungsansätze. „Bevor man sich in einem Ansatz verrennt, ist es hilfreich, den Lösungsraum einmal abzuklopfen“, betont Hanna. „Vielleicht ergibt sich dabei eine Lösung, an die man zunächst nicht gedacht hatte. Wichtig für die Kundin oder den Kunden ist meist einfach nur, dass das Problem gelöst wird.“

Hanna Rademaker
Hanna Rademaker hat langjährige Erfahrung in der Produktentwicklung und betreut Startups im Starthaus.

Tipp 4: Entwickelt einen schmalen ersten Use Case für das Proof of Concept.

Für Mitteleinwerbung müssen Startups ihr Produkt oft „grandios“ darstellen. Um das Produkt erfolgreich umsetzen zu können, ist aber ein sehr klarer Fokus und erster Anwendungsfall, auch Use Case genannt, wichtig. Für diesen Use Case sollten die Anforderungen so konkret wie möglich definiert werden, auch wenn man sich noch nicht sicher ist. Warum? „So wird die Funktionalität greifbarer und man bekommt schneller Feedback, ob man auf dem richtigen Weg ist – sowohl aus Kundensicht, als auch für die technische Machbarkeit.“

Mithilfe dieses ersten Use Cases, kann das Startup einen Proof of concept starten oder das erste Minimal Functional Product definieren.

Tipp 5: Zieht frühzeitig Produktdesign-Expertise hinzu.

Produktdesign wird oft als reines „das Produkt schön machen“ missverstanden. UX/UI Design hilft aber eigentlich dabei, die richtige Lösung für ein Problem zu finden. UX Design heißt in der längeren Form „User experience“ Design und meint die Gestaltung der Nutzererlebnisses. UI Design kommt von „User interface“ und bezieht sich daher auf die Gestaltung der Nutzeroberfläche.

„Wo genau ein Button im Produkt angebracht wird, entscheidet unter Umständen darüber, ob das Produkt überhaupt benutzbar ist oder nicht“, weiß die Startup-Beraterin aus ihrer Erfahrung. Deshalb: Design spätestens ins Boot holen, wenn die ersten Anforderungen definiert werden.

Ein Programm für die Produktstrategie im Starthaus

In den Beratungsgesprächen mit Startups haben die Berater:innen im Starthaus viele Nachfragen zur Produktentwicklung erhalten. Deshalb bieten wir die Workshop-Reihe „Product Strategy“ an, damit ihr gezielt und angeleitet eure Produktstrategie erstellen könnt. Auch durch andere Programme, wie dem Open Innovation Cycle oder dem Raumfahrtinkubator ESA BIC Northern Germany, können Gründer:innen kostenfrei ihr Startup und ihre Produkte begleitet aufbauen.

Ob vorab, mitten in der Gründung oder schon in den ersten Geschäftsjahren – im Starthaus erhaltet ihr professionelle kostenfreie Eins-zu-eins-Beratung von erfahrenen Startup-Berater:innen. Zu den Programmen, Finanzierungsmöglichkeiten wie der Startup Förderung Bremen „BRE-Up“, Möglichkeiten im Ökosystem im Land Bremen oder ganz individuellen Fragestellungen.

Steht ihr vor der Produktentwicklung oder wollt jetzt daran arbeiten? Braucht ihr mehr Informationen zu unseren Beratungs- oder Fördermöglichkeiten? Dann schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

Erfolgsgeschichten


19.04.2024
Bremer Gründungspreis 2024: Neue Bewerbungsfrist für Social Entrepreneurs und nachhaltige Unternehmer:innen!

Social Entrepreneurs und nachhaltige Unternehmer:innen aufgepasst! Wir haben die Bewerbungsfrist für die Kategorie "Social/Nachhaltigkeit" im Rahmen des Bremer Gründungspreises verlängert! Ihr habt eine tolle Gründungsgeschichte zu erzählen und zwischen 2020 und 2022 euer Unternehmen gegründet? Dann bewerbt euch noch jetzt und sichert euch ein tolles Preisgeld in Höhe von bis zu 7.000 Euro. Wie ihr euch noch schnell bewerben könnt? Das erfahrt ihr hier.

Alle Infos und die Bewerbungsunterlagen
Startups
17.04.2024
Für den Wirtschaftsstandort Bremen: Startups eine Heimat bieten

Unweit des Marktplatzes sitzt die BAB – Die Förderbank mit ihrem Segment Starthaus Bremen & Bremerhaven – sie begleitet insbesondere kleine und mittelständische Firmen in allen Phasen von der Gründung über Wachstum und Umstrukturierung bis hin zur erfolgreichen Nachfolgeregelung. Auch Bremens Innovationen werden von ihr gefördert. Mit dem Ziel, die Innovationskraft, das nachhaltige ökonomische Wachstum sowie die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes zu unterstützen und zu stärken. Welche Bausteine eine Gründungsberatung umfasst und wie die Förderbank dazu beiträgt, Startups ein modernes Umfeld zu bieten, erzählt Kostja Hausdörffer.

Zum Artikel bei brem.jetzt
Finanzierung
09.04.2024
„Keine Angst vor dem Finanzamt“ - Gesprächsrunde

Finanzen, Steuern, und das Finanzamt – diese Themen wecken oft Unsicherheit und Sorge. In unserer jüngsten Gesprächsrunde "Keine Angst vor dem Finanzamt" mit Kai Rosenberg vom Finanzamt Bremen, wurden genau diese Ängste angesprochen und entmystifiziert.

Zum Artikel