25.10.2023 - Diana Bluhm

Gemeinsam gründen: So meistert ihr Herausforderungen im Startup-Team

Startups

Tipps von zwei Gründerinnen und Startup-Beraterinnen

Regelmäßige Retrospektiven helfen dem Team, um sich über die Zusammenarbeit im Team sowie Meta-Themen auszutauschen. © Jason Goodman / Unsplash

Eine gemeinsame Idee, das gleiche Ziel und dann kommen im Laufe der Zeit die ersten kritischen Fragen: Was müssen alle gemeinsam beschließen? Was kann jemand alleine entscheiden? Wer arbeitet eigentlich wie viel und aus welcher Motivation heraus? Und vor allem: Wie spreche ich an, dass ich etwas ungerecht in unserem Startup finde? Das kann nicht nur unangenehm werden, sondern sich auch negativ aufs Business auswirken. Zwei Startup-Expertinnen zeigen Wege auf, wie ihr diese Herausforderungen angehen oder vielleicht sogar vermeiden könnt.

Startups können schnell wachsen, aber auch schnell wieder fallen. Damit die gleichen Fehler nicht immer wieder passieren, hat CB Insights eine Studie veröffentlicht und zeigt die „20 häufigsten Gründe, woran Startups scheitern“ auf. Einige dieser Gründe zeigen deutlich, dass tatsächlich Probleme innerhalb des Startup-Teams für das Scheitern des Unternehmens verantwortlich waren.

Und genau das haben auch Rebekka Tegtmeier und Sabrina Lamprecht, Starthelferinnen im Starthaus Bremen & Bremerhaven, beobachtet. Sie beraten und begleiten Startups auf ihrem Gründungsweg und in den ersten Jahren und wissen daher um die Gründe des Scheiterns. Ebenso haben sie beide bereits selbst gegründet und kennen die Herausforderungen, die einige Startup-Teams zum Stolpern oder sogar Scheitern bringen. Im Starthaus beraten, begleiten und coachen sie Startups zur Idee, dem Geschäftsmodell oder auch dem Unternehmensaufbau.

Gleich und gleich gesellt sich gern, hält nur leider den Erfolg fern

In der CB Insights Studie wurde als dritthäufigster Grund zum Scheitern genannt, dass es einfach nicht das richtige Team war. Dies kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. „Oft sehen wir, dass sich zwei oder mehrere Tech-Studierende zusammentun, weil sie eine tolle Startup-Idee haben. Nur fehlt hier meist das BWL-Wissen. Andersherum passiert es leider auch“, beschreibt Rebekka eine häufige vorkommende und oftmals nicht optimale Teamkonstellation.

Es sei wichtig, dass mehrere Kompetenzen im Gründungsteam vorhanden sind. Wenn alle Profis auf dem gleichen Gebiet sind, ist es für sie umso schwieriger sich einerseits das fehlende Wissen anzueignen und andererseits die Aufgaben und Zuständigkeiten untereinander zu verteilen. Sabrina schlägt folgende Herangehensweise vor: „Zu Beginn sollte man sich selbst einschätzen und prüfen, welche Kompetenzen man selbst mitbringt oder die eventuellen Co-Founder haben. Anschließend kann man auf die Suche nach weiteren Mitgründer:innen gehen.“ Dies klappe gut bei Netzwerkevents, Stammtisch-Treffen oder auch über Gespräche im Starthaus. Denn hier können Startup-Founder wichtige Tipps für die Suche erhalten.

Harmoniebedürfnis führt zu Disharmonie

Unstimmigkeiten mit den Co-Foundern – ein weiterer Scheiter-Grund, dem Startups sich widmen sollten, bevor er eintritt. „Im laufenden Geschäft nehmen sich nur wenige Startups die Zeit für regelmäßige Teamgespräche, weil die überquellende To-Do Liste dazu führt, dass diesen Themen wenig Zeit eingeräumt wird“, weiß Rebekka aus ihren Beratungen. „Das Problem dabei ist, dass oftmals die Rollenverteilung nicht klar besprochen wurde. Genauso wenig wie die verschiedenen Erwartungshaltungen oder Bedürfnisse. Nur läuft das Geschäft nicht, wenn es im Team nicht läuft.“ Deshalb rät sie dazu, am besten bereits während der Gründung interne Workshops durchzuführen, um genau diese Erwartungshaltungen, Rollenverständnisse und Machtverhältnisse zu klären. Auch wenn das Produkt oder die Dienstleistung gelauncht ist, lohnen sich regelmäßige Checks, weil sich Erwartungshaltungen ändern können. „Auch in Startups, bei denen alle auf dem gleichen Level sind, gibt es Machtverhältnisse, die zu klären sind“, ergänzt Rebekka. „Eine Person ist mit mehr Commitment dabei als eine andere. Oder die Haftung ist unterschiedlich geregelt. Manche sind nebenbei noch erwerbstätig in einem Angestelltenjob. Wer kann was alleine entscheiden, was geht nur im Konsens oder Konsent? Dies kann gerade bei Gründungen unter Freunden Schwierigkeiten auslösen. Vor allem, wenn sich niemand traut, es anzusprechen.“ Sie hat selbst schon einige Team-Workshops gegeben, in denen genau solche Probleme erkannt und aufgebrochen wurden.

Sabrina gibt einen weiteren Tipp: Plant Retrospektiven ein.  „In regelmäßigen Abständen sollte das Team gemeinsam reflektieren, was gut läuft und was wie besser laufen könnte“, erläutert sie den Prozess. „Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit im Team und Meta-Themen, die im Tagesgeschäft oft zu kurz kommen.“ Typische Themen sind unklare Verantwortlichkeiten, Gründe für das Nicht-Erreichen eines selbstgesteckten Ziels oder Ineffizienzen sowie eine (fehlende) interne Kommunikation. Wie oft Retrospektiven abgehalten werden, hänge von den Planungszyklen im Team ab. „Ich würde monatliche Retrospektiven einplanen. Und dabei einen Tapetenwechsel empfehlen. Raus aus dem Tagesgeschäft und rein in die Gespräche.“ Nach Scrum wird jeder Sprint mit einer Retrospektiven beendet. Im Ergebnis sollten konkrete Aktionspunkte für den nächsten Sprint erarbeitet werden die auf die Zusammenarbeit im Team einzahlen.

Fehlende Passion und Burnout

Einige gescheiterte Startups sagten in der Studie auch, dass ihnen die Passion fehlte. Es sei wichtig zu wissen, warum man sein Startup aufbaut. „Egal welches Startup man fragt: Es ist nie nur toll“, weiß Rebekka. „Es ist immer eine Achterbahnfahrt. Wenn man sich dann als Gründer:in nicht sicher ist, wofür man das alles tut oder auch aus welcher eigenen Motivation heraus, kann es sein, dass man die Tiefs der Achterbahn zum Aussteigen nutzt.“ Wer nur aufs schnelle Geld aus ist, sollte sich wohl einen anderen Weg suchen. Bei einer Unternehmensgründung ist viel Durchhaltevermögen und Commitment gefragt. Ohne dem geht es nicht.

Ein Tool, das angehende Startups schon in der Ideenphase nutzen können, ist der Golden Circle von Simon Sinek. Der Unternehmensberater empfiehlt bei der Findung der Produktidee erst einmal mit dem „Warum“ zu starten. Seine Theorie: Die Zielgruppe wird Produkte oder Dienstleistungen kaufen, wenn sie versteht, warum man es verkauft – nicht nur, weil man es verkauft. Nachdem ein Startup sein „Warum“ kennt, kann es mit dem „Wie“ weitermachen. Nun solltet ihr die USPs eures Startups definieren, mit denen ihr das „Warum“ erreicht. Als letzten Schritt erklärt man das „Was“ – also was unternehmt ihr, um das „Warum“ zu erreichen. Die Lösung: euer Produkt. Die Golden Circle Theorie ist sowohl auf das Thema Leadership als auch Marketing und weitere Felder anzuwenden. Denn nur, wenn man weiß, warum man etwas tut, kann man auch schwierige Zeiten durchstehen.

Was uns zum letzten Scheiter-Grund führt: Burnout. Dies ist nicht im klinischen Krankheitsbild zu sehen, sondern tatsächlich in dem Gefühl „ausgebrannt zu sein“. Keine Energie, keinen Elan mehr zu haben. „Natürlich lastet enormer Druck auf den Gründerteams der Startups. Sie haben Verpflichtungen gegenüber ihrem Team, der Produktentwicklung, den Investor:innen. Sie dürfen nicht ausfallen“, beschreibt Sabrina die Gedanken vieler Startups. „Auch hier ist es wieder wichtig zu wissen, warum mache ich das alles und wer hat welche Aufgaben.“ Eine klare Verteilung der Kompetenzen und Co-Founder können hier vor dem Gefühl eines Burnouts schützen. „Wer Co-Founder hat und sich gut abspricht, kann auch mal eine Auszeit nehmen und richtig abschalten“, empfiehlt Rebekka. „Das ist auch wichtig für die Produktivität, da sonst nach und nach der Output sinken wird, wenn man dauerhaft arbeitet. Und die Work-Life-Balance darf auch bei Startups nicht außer Acht gelassen werden.“ Ein weiterer Tipp von Sabrina: Feiert eure Erfolge. Im Team kann es für viel Motivation sorgen, wenn auch kleine Highlights zelebriert werden.

Tipps aus der Praxis

Was die beiden Starthelferinnen noch empfehlen würden? Rebekkas Tipp: „Auch wenn zu Beginn alles rosig ist und sich niemand Gedanken ums Ende machen möchte, empfehle ich im Gesellschaftervertrag Schritte genau für diesen Aspekt zu benennen. Das kann eine verpflichtende Mediation bei Problemen sein. So spart man sich im Zweifelsfall die Anwaltskosten und kann das Startup eventuell noch retten. Sollte nichts mehr gehen, muss im Vertrag festgelegt sein, wie viele Anteile jemand beim Austritt noch behält.“ Dies ist in der sogenannten „Vesting-Klausel“ im Gesellschaftervertrag festgelegt. Vesting beschreibt die Anteile, die jemand auch nach Austritt für einen bestimmten Zeitraum behält.

Sabrina hat noch Tipps für die Wachstumsphase: „Viele Startups, die länger am Markt sind, bereuen es, sich nicht schon früher nötige Expertise ins Boot geholt zu haben. Ob zum Unternehmensaufbau, der Unternehmenskultur oder auch zu Personalfragen. Wie soll man ohne Erfahrung wissen, worauf es bei der Personalauswahl ankommt, wann man Mitarbeitende gehen lassen sollte, welcher Führungsstil zu einem selbst und zum Startup passt und so weiter.“

Nutzt kostenfreie Beratung

Damit ihr nicht die gleichen Fehler wiederholt, organisieren wir im Starthaus Workshops zu den verschiedenen Themen, die euch beschäftigen. Ihr könnt auch mit euren individuellen Problem- und Fragestellungen zu uns kommen und wir schauen, welcher Weg euch am meisten hilft. Manchmal ist ein individueller Team- oder Werte-Workshop für euch das Beste manchmal die offene moderierte Gesprächsrunde oder Retrospektive. Das können wir im gemeinsamen Beratungsgespräch, das für euch im Starthaus Bremen & Bremerhaven kostenfrei ist, herausfinden. Wir arbeiten zudem eng mit unseren Partner:innen im Gründungsnetzwerk in Bremen und Bremerhaven zusammen und finden auch extern die richtige Anlaufstellen für euch.

Wollt ihr euer Startup sicher aufstellen? Oder habt ihr Baustellen, bei denen wir euch unterstützen dürfen? Dann schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurem Startup habt. Wir haben die Antworten.

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