21.9.2023 - Andreas Schack

Wie eine bremische KI Hautkrankheiten aufdeckt

Startups
Maximilian Schmidt, Daniel Otero Baguer und Dietrich Schreiber, Jean Le’Clerc Arrastia
Das Gründerteam: Maximilian Schmidt, Daniel Otero Baguer und Dietrich Schreiber, Jean Le’Clerc Arrastia © Jan Rathke

Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren verändert, wobei viele Fachbereiche bereits von moderner Technologie profitieren. Die Pathologie jedoch, ein zentraler Pfeiler der medizinischen Diagnostik, hinkte bisher hinterher. Dank des Bremer Startups aisencia könnte sich das nun bald ändern.

Maximilian Schmidt, Daniel Otero Baguer und Jean Le’Clerc Arrastia sind Mathematiker. Dietrich Schreiber kommt aus der BWL. Gemeinsam wollen die vier Bremer traditionelle Pathologie mit einer Kombination aus Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) revolutionieren.

Wo heute noch mit Mikroskopen gearbeitet wird, könnte dank ihrer Arbeit schon bald die Diagnose am Bildschirm auf Basis digitalisierter Objektträger erfolgen – unterstützt durch die Software von aisencia, die schnell tausende Proben präzise und ermüdungsfrei untersuchen kann. Bisher kann die KI zum Beispiel im Bereich der Hautkrankheiten rund 40 verschiedene Hautkrankheiten erkennen und klassifizieren.

Gewebeproben, die heute noch für eine Zweitmeinung auf Glasträgern mit der Post quer durchs Land geschickt werden müssen, könnten so Expertinnen und Experten in der ganzen Welt unmittelbar für eine Diagnose zur Verfügung stehen. „In der Pathologie zählt jede Minute. Ein schnellerer und genauerer Diagnoseprozess kann Leben retten“, erklärt Maximilian Schmidt die Motivation der Gründer.

Die KI muss Überzeugungsarbeit leisten

Für die Entwicklung ihrer Software stehen sie in engem Kontakt mit verschiedenen Laboren in Deutschland. „Viele Pathologinnen und Pathologen sind es gewohnt, auf eine bestimmte Weise zu arbeiten, und es ist unsere Aufgabe, zu beweisen, dass unsere Technologie ihre Arbeit nicht nur erleichtern, sondern auch verbessern kann“, berichtet Schmidt von dem regelmäßigen Austausch. „Mit unserer Lösung lassen sich nicht nur unzählige manuelle Schritte im Workflow des Labors ersetzen. Wir eröffnen den Pathologinnen und Pathologen sowie ihren medizinischen Teams damit auch die Möglichkeit, sich wieder auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, auf genau die Dinge, die sie einmal für ihren Beruf begeisterten“, sagt Schmidt. Das sei für viele Labore auch mit Blick auf den Fachkräftemangel von großem Interesse.

Jean Le’Clerc Arrastia zeigt die Software am Bildschirm
Jean Le’Clerc Arrastia führt vor, wie Patholog:innen mit der KI interagieren können. © Jan Rathke

Begeisterung bei medizinischem Personal

Dass sie mit ihrer Idee richtig liegen, bewiesen die Gründer zuletzt während einer Fachtagung für Pathologie. Daniel Otero Baguer berichtet: „Wir hatten die Teilnehmenden im Vorfeld dazu aufgerufen Proben für einen Live-Test unserer KI mitzubringen. Zur Begeisterung aller erkannte unsere Software alle Proben richtig und schnell. Den großen und schweren Scanner mussten wir dafür allerdings kurz vor der Veranstaltung noch mit eigenen Händen zur Tagung transportieren“, erinnert sich der gebürtige Kubaner gern an diesen besonderen Moment zurück.

Förderprogramme für Medizin-Start-ups zentral für den Erfolg

Bei ihren ersten Schritten als Startup im Rahmen eines EXIST-Forschungstransfers der Universität Bremen und in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner BRIDGE wurden die jungen Akademiker auch vom Starthaus Bremen und Bremerhaven und dem Investor Readiness Programm unterstützt. Neben finanzieller Unterstützung profitierte das Startup von strategischem Mentoring und wertvollen Netzwerkverbindungen. „Das IR-Programm hat uns geholfen, unser Geschäftsmodell zu verfeinern und Investor:innen zu erreichen“, berichtet Dietrich Schreiber. „Die Expertinnen und Experten vom Starthaus haben uns zudem wertvolle Einblicke und Ratschläge gegeben, die für unseren Fortschritt entscheidend waren“, erzählt er.

Zertifizierung steht bevor

Das nächste Ziel der Gründer ist jetzt die erfolgreiche CE-Zertifizierung ihres Produktes – „ein sehr aufwendiger und langwieriger Prozess“, erzählt Schreiber. Doch für aisencia ist die CE-Zertifizierung mehr als nur ein Siegel. Es ist ein Beleg für die Sicherheit, Effizienz und Zuverlässigkeit ihrer Technologie. „Die Zertifizierung zeigt sowohl unseren Kundinnen und Kunden als auch unseren Partner:innen, dass sie uns vertrauen können“, sagt Schreiber. „Es ist ein Beweis dafür, dass unsere Lösung nicht nur innovativ, sondern auch solide und sicher ist.“

Und so steht aisencia an der Spitze eines Wandels in der Pathologie. Mit ihrem digitalen Ansatz, ihrer Vision und ihrem Engagement setzt das Bremer Startup Maßstäbe und definiert, wie zukünftige Diagnosen gestellt werden. Der Name des Startups kommt dabei nicht von ungefähr. „AI steht für Articial Intelligence. Sencia ist eine Mischung aus esencia (spanisch für Essenz) und siencia (spanisch für Wissenschaft)“, erklärt Daniel Otero Baguer, der wie Jean Le’Clerc Arrastia einst aus Kuba zum Studieren nach Bremen kam. 

Wer mehr über aisencia und die transformative Technologie des Bremer Startups erfahren möchte, findet auf ihrer Website weitere Informationen: www.aisencia.de.

Seid ihr auf der Suche nach einem Investor oder einer Investorin? Braucht ihr mehr Informationen zu unseren Beratungs- oder Fördermöglichkeiten? Dann schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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