7.8.2025 - Fanny Lynn Quest

Goldschmiedekunst im Schnoor

Erfolgsgeschichten

Wie Anika Verbrügge das Handwerk mit Herz und neuer Handschrift weiterträgt

Anika Verbrügge an ihrem Arbeitsplatz in ihrer Goldschmiede
Goldschmiedin Anika Verbrügge in ihrem Schmuckatelier. © Quest

Wer die kleine Tür im Schnoor 22 öffnet, betritt keinen gewöhnlichen Laden, sondern eine stille, leuchtende Werkstatt: Aus den Vitrinen funkeln Farbsteine in tiefem Blau und feurigem Orange, daneben liegen mattierte Goldringe, filigrane Colliers, Formen zwischen rund und kantig. In diesem Atelier entsteht Schmuck mit echter Hingabe – bald mit einer neuen Handschrift. Anika Verbrügge übernimmt die traditionsreiche Werkstatt und schlägt darin ein neues Kapitel auf. 

mit Bleistift und Goldstift gezeichnete Skizze für einen Ring
Manche Ideen für Schmuckstücke entstehen als skizzierte Zeichnung. © Verbrügge

Seit 2008 ist die Goldschmiedin Teil des Hauses, hat Stücke mitentwickelt, Ausstellungen betreut und die Kundschaft über Jahre begleitet. Das Geschäft selbst blickt auf über 50 Jahre Geschichte zurück: Erich Hergert, der seine Ausbildung einst in Hanau absolvierte, formte hier über Jahrzehnte hinweg eine unverkennbare Handschrift. Viele Kundinnen und Kunden erkennen seine Stücke sofort – und kehren seit Jahren genau deshalb zurück.

Von Erich Hergert zu Anika Verbrügge

Anika Verbrügge kennt jedes Detail der Werkstatt – und hat über viele Jahre hinweg die Stücke ihres Vorgängers begleitet. „Ich habe mit Steinen gearbeitet, da schlackern mir heute noch die Ohren“, erzählt sie mit einem Lächeln. Seit 2021 zeigt sie im Schaufenster auch ihre eigene Kollektion.

Nun folgt der nächste Schritt: Seit Januar 2025 führt sie das Atelier unter eigenem Namen weiter und tritt damit offiziell die Nachfolge an. „Ich habe das Gefühl, ich komme an. Es ist ein Traum, der langsam Wirklichkeit wird“.

Zwanzig Jahre Goldschmiedekunst 

Die Leidenschaft fürs Handwerk entdeckte Anika Verbrügge eher zufällig – über einen Mappenkurs für Grafikdesign lernte sie einen Goldschmied kennen, machte ein Praktikum, unterschrieb kurz darauf den Lehrvertrag. Heute blickt sie auf über zwei Jahrzehnte Erfahrung zurück – inklusive Meistertitel, Gestaltungsstudium und eigener Werkstatt zu Hause. „Ich arbeite gern mit der Hand. Abends zu sehen, was entstanden ist – das macht mich glücklich“, sagt sie.

Zu ihren bevorzugten Materialien gehören hochkarätiges Gold, Silber und ausgewählte Edelsteine wie Beryll, Turmalin oder Labradorit. Ihre Arbeiten verbinden klassisches Handwerk mit individuellem Ausdruck – jedes Stück ein Unikat mit Charakter. 
Im Atelier zeigt sie neben eigenen Entwürfen weiterhin Arbeiten von Erich Hergert, Susanne Vorsprecher und Arianna Nolte-Blank: „Ich schaffe hier bewusst Raum für verschiedene Handschriften – die Vielfalt macht das Schaufenster lebendig und spannend.“ 

Jedes Stück hat seine eigene Geschichte 

Manche Kundinnen und Kunden kommen mit einer Geschichte, einem konkreten Wunsch oder dem Erbstück eines Familienmitglieds. Andere gehen auf Entdeckung durch die Vitrinen – und finden dort etwas, das sie anspricht. Ihre Entwürfe entwickelt Anika Verbrügge dabei oft zunächst als Skizze. Andere Stücke entstehen direkt am Werktisch – oder weil sie sich in einen ganz besonderen Stein verguckt hat.

Besonders wichtig ist ihr, dass das Schmuckstück zur Person passt: „Manchmal legt jemand eine Kette an – und man merkt sofort, das ist es.“ Genauso ehrlich spricht sie aber auch aus, wenn etwas nicht passt – denn jedes Stück soll stimmig sein. Dabei braucht jedes Stück seine Zeit. „Ich kann gar nicht sagen, wie lange ein Schmuckstück dauert. Ich arbeite immer wieder daran weiter, manchmal dauert es Wochen – irgendwann ist es dann fertig.“

Viele schätzen die entspannte Atmosphäre im Laden, das gute Gespräch – und die Zeit, die man sich nimmt. Zu ihrer Kundschaft gehören Menschen aus Bremen ebenso wie aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien, England, Dänemark und Shanghai – darunter langjährige Stammkundinnen und -kunden, die dem Atelier schon seit den Zeiten von Erich Hergert verbunden sind. 

Vom Traum zur Umsetzung

Dass Anika Verbrügge einmal ein eigenes Atelier führen würde, war lange ein Gedanke. Doch als sich Erich Hergert zurückzog, wurde daraus ein konkreter Plan. Gleichzeitig tauchten viele Fragen auf – zu Finanzierung, Struktur und Positionierung. Genau in dieser Phase wurde sie auf das Starthaus Bremen und Bremerhaven aufmerksam: Bei einem Vortrag holte sie sich erste Impulse, später folgten Gespräche zur Orientierung.

„Ich wollte das machen, aber es gab noch so viele offene Punkte“, erzählt sie. Der Austausch half, Antworten zu finden: Sie entwickelte ihren Businessplan, feilte an der Finanzstruktur und gewann Klarheit für die nächsten Schritte. Besonders wichtig war für sie die ehrliche Außenperspektive: „Das Feedback war total wertvoll. Ich bin kreativ – aber ich wollte auch das Unternehmerische wirklich durchdringen.“ Der Blick von außen gab ihr Struktur und neue Denkanstöße.

Unterschiedliche Werkzeuge der Goldschmiedin für die Herstellung von Schmuck
Mit diesen Tools kreiert Anika Verbrügge ihre Schmuckstücke. © Quest

Handwerk, das bleibt

Die Nachfrage nach handgefertigtem Schmuck bleibt – davon ist Anika Verbrügge überzeugt. Es ist ein faszinierendes Handwerk, das Gestaltung, Technik und Präzision in der Arbeit mit den Händen vereint. Das Bremer Schnoor ist dabei Bühne und Begegnungsort zugleich. Für Anika Verbrügge ist dieser Ort genau richtig: verwinkelt, lebendig, voller Geschichten. Ihre Werkstatt wird ein Teil davon – mit neuen Ideen, im Dialog mit dem Bestehenden und mit spürbarer Liebe zum Handwerk. 

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