Empowerment als Herzensangelegenheit
ErfolgsgeschichtenMit ihrem Startup LaFemme möchte Carmen Hadj einen geschützten Raum für Mädchen und Frauen bieten
Was bedeutet es in der heutigen Gesellschaft eine Frau zu sein, was heißt eigentlich Weiblichkeit und wie verändert sie sich? Diese Fragen beschäftigen Carmen Hadj schon lange. „Viele Frauen und Mädchen erleben Unsicherheiten, Diskriminierung oder das Gefühl, nicht gehört zu werden“, sagt die Bremerin. Die 29-Jährige möchte zuhören – und hat ihr eigenes Unternehmen gegründet: LaFemme, eine Anlaufstelle für Mädchen und Frauen.
LaFemme soll ihnen einen sicheren Raum bieten, in dem sie Unterstützung finden und sich persönlich weiterentwickeln können, um ihren eigenen Weg zu gehen. Empowerment lautet das Stichwort, also Frauen und Mädchen stark zu machen. Für Carmen Hadj ist die Gründung ihres Startups eine Herzensangelegenheit: „Ich brenne sehr für diese Themen“, sagt sie.
Schon seit ihrer Teenagerzeit schwirrt der Traum der Selbstständigkeit im Kopf der Bremerin herum. Fragen zum Frau-sein, aber auch Themen wie Diskriminierung – das hat Carmen Hadj schon als Mädchen beschäftigt. Doch während der Schulzeit hat ihr etwas Wesentliches gefehlt: Frauen und andere Mädchen, mit denen sie sich hätte austauschen können. Mädchen-AGs, in denen sie Empowerment-Skills an die Hand bekommt – „das hätte ich mir als Jugendliche sehr gewünscht“, sagt die Gründerin.
Von der Festanstellung in die Gründung
„Vor allem für Menschen, die von Rassismus betroffen sind, fehlen sichere Räume“, sagt sie. „Aber so etwas muss es geben.“ Nach dem Abitur in Bremen studierte Carmen Hadj soziale Arbeit, zuletzt arbeitete sie in einem Geflüchtetenheim. „Aber das System war nicht das, in dem ich mich wohlfühle“, berichtet die 29-Jährige. „Irgendwann hat es bei mir Klick gemacht.“
Dieses Jahr war es dann soweit: Carmen Hadj kündigte ihre Festanstellung in der sozialen Arbeit und setzte alles auf ihre Gründung. „Ich wusste, ich werde es bereuen, wenn ich es nicht mache“, sagt sie. Wichtige Unterstützung bekam sie dabei vom Starthaus. Ihre persönliche Starthelferin war nicht nur von der Idee ihrer Gründung überzeugt, sondern gab ihr auch entscheidende Tipps und sprach ihr Mut zu, den Weg der Selbstständigkeit zu gehen.
Beim Gründerinnen-Coaching von Belladonna lernte sie, was sie für eine erfolgreiche Gründung braucht: Businessplan, Gewerbe, Website, Social-Media-Kanäle, Wissenswertes zu Steuern und Finanzen und einen knackigen Firmennamen. „LaFemme, das bleibt im Kopf“, sagt Carmen Hadj. Weibliche Vorbilder haben Carmen Hadj schließlich schon immer begleitet: Die Mutter selbstständige Yogalehrerin, die Tante Hebamme.
Ein Netzwerk für Mädchen und Frauen
Mit ihrem Startup möchte sie unterschiedliche Zielgruppen ansprechen: Zum einen Mädchen und Frauen, die durch Workshops oder Einzelberatungen mehr Selbstbewusstsein, Resilienz und persönliches Wachstum erfahren sollen. Zum anderen aber auch Unternehmen und Institutionen, in denen Carmen Hadj Diversity-Workshops und Gleichstellungstrainings anbietet. „In Zeiten von Wandel und Vielfalt ist es essenziell, eine inklusive Unternehmenskultur zu schaffen“, sagt die Gründerin. „Mit meinem Angebot möchte ich Unternehmen dabei unterstützen, Diskriminierung abzubauen, Vielfalt zu fördern und nachhaltige Veränderungen zu etablieren.“
Langfristig möchte Carmen Hadj mit LaFemme ein Netzwerk für Frauen und Mädchen aufbauen, um sich zu solidarisieren, aber auch um die Sichtbarkeit von Frauenthemen in der Gesellschaft zu erhöhen und einen Dialog über Geschlechtergerechtigkeit anzuregen. „Frauen werden noch immer zu wenig gehört“, sagt Carmen Hadj. „Mit LaFemme kann ich nun mehr erreichen. Es ist eine Herzensarbeit für mich.“
Tägliche Akquise gehört zum neuen Gründerinnenalltag
Seit zwei Monaten ist Carmen Hadj mit LaFemme nun am Markt. Die letzten Monate hatten es in sich. „Ich habe wirklich Gas gegeben“, sagt sie. „Mir war wichtig, dass es vorangeht.“ Auch das habe sie im Coaching gelernt: „Man sollte jeden Tag Akquise machen“, berichtet die Jungunternehmerin. 100 Mails in nur zwei Tagen, das ist im neuen Gründeralltag der 29-Jährigen keine Seltenheit. „Aber ohne mein Netzwerk würde ich das nicht schaffen. Ein gutes Netzwerk ist aus meiner Sicht die wertvollste Sache an der Selbstständigkeit.“ Um sich dieses aufzubauen, besucht sie viele Netzwerk- und Gründerveranstaltungen.
Neben Unternehmen, Antidiskriminierungsbeauftragten und anderen Jungunternehmern aus der Region ist Carmen Hadj auch im „Diversity Netzwerk“ der BAB – die Förderbank für Bremen und Bremerhaven vernetzt. In der Initiative „Diversity Haus“ will die BAB Vielfalt in Bremer Unternehmen fördern und so den Standort für Fachkräfte mit verschiedensten Hintergründen attraktiver gestalten – ein Ziel, das der Gründerin sehr am Herzen liegt.
Eine unterstützende Community, in der Frauen und Mädchen sich nicht nur sicher fühlen, sondern auch voneinander lernen und gemeinsam wachsen können – das ist eines der Ziele, das Gründerin Carmen Hadj mit LaFemme verfolgt. Neben ihren eigenen Workshops plant die Bremerin auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Landessportbund sowie mit Schulen, an denen sie Mädchen Werkzeuge für mehr Empowerment mit an die Hand geben möchte. „Ich plane, deutschlandweit meine Workshops und Beratungen anzubieten“, beschreibt sie ihre Vision.
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