30.6.2025 - Fanny Lynn Quest

Hundeglück im Bremer Viertel

Erfolgsgeschichten

Wo der Duft von Bacondonuts durch die Straße zieht

Sarina Isabell Appelgren in ihrer Hundebäckerei mit vier verschiedenen Hunden davor
Gründerin Sarina Isabell Appelgren in ihrem Geschäft Schnauze!. © Schnauze

Sarina Isabell Appelgren arbeitete viele Jahre in der Jugendhilfe – zuletzt als Leitung einer Bremer Einrichtung für geflüchtete Jugendliche. Nebenbei begann sie, für ihren Hund Helmut Geburtstagskuchen und Leckerlis zu backen. Irgendwann stellte sie fest: In Bremen gibt es weder passgenaue Geschirre für Hunde mit besonderer Statur noch eine eigene Hundebäckerei. Warum also nicht selbst einen Laden eröffnen, der genau das bietet? Heute führt sie „Schnauze!“ – und ist dafür in Teilzeit aus ihrem bisherigen Beruf ausgestiegen.

Schild mit Aufschrift "Bremens erste Hundebäckerei"
Doggy Donuts & Cupcakes nur für Hunde. © Quest

Statt Massenware und Standardgrößen setzt sie auf ausgewählte Produkte mit Charakter. „Warum soll der Napf aussehen wie ein Blechtopf, wenn der Rest meiner Küche schön ist?“, fragt Isabell. Viele Artikel bei „Schnauze!“ sind auf den Wohnstil der Halter:innen abgestimmt. Nicht selten bleiben Passant:innen stehen – angezogen vom klaren, skandinavischen Design der Hundenäpfe.

Die erste Hundebäckerei Bremens 

Ein Herzstück des Ladens ist die Hundebäckerei. Isabell backt täglich frisch – mit natürlichen Zutaten wie Banane, Hafermehl, Apfelmus oder Rote Bete. „Das ist wie ein Bananenbrot, nur für Hunde“, erklärt sie. Der Duft zieht oft schon weit über die Straße hinweg – viele Hunde bleiben beim Vorbeilaufen stehen und ziehen ihre Halter:innen in den Laden. Besonders beliebt: der Bacondonut. Und für Isabell ist klar: „Viele kommen mittlerweile gezielt für ihre wöchentliche Portion.“

Unterstützt vom Starthaus – von der Idee zur Eröffnung

Als Isabell auf das Coachingprogramm des Starthauses Bremen und Bremerhaven aufmerksam wurde, nahm ihre Idee für einen eigenen Hundeladen konkrete Gestalt an. Innerhalb eines Jahres entwickelte sie ein ausgereiftes Konzept: Businessplan, Zielgruppenanalyse, Finanzplanung – Schritt für Schritt entstand ein klares Bild. „Ich war Teil einer tollen Gruppe. Diese war Gold wert“, sagt sie. „Wir treffen uns noch immer regelmäßig. Es war nicht nur ein Coaching – es war ein echtes Fundament.“ Besonders hilfreich war für sie das Feedback von außen: „Man hat einfach eine klarere Vision bekommen.“

Doch der Weg zur Eröffnung war nicht ohne Hürden. Banken forderten Sicherheiten, Vermieter eine Finanzierung und selbst die Suche nach eine:r Steuerberater:in gestaltete sich schwierig. Am Ende half vor allem eins: Geduld – und der feste Glaube an die eigene Idee.

Starthaus Coachingprogramm

Ihr wollt gründen – habt eine Idee, aber noch keinen Plan, wie ihr starten sollt? Das Coachingprogramm vom Starthaus Bremen & Bremerhaven hilft euch bei der professionellen Vorbereitung eurer Selbstständigkeit.

Ob klassisches Unternehmen oder nachhaltiges Vorhaben – das Programm bietet Know-how, Netzwerk, individuelle Beratung und finanzielle Förderung. Mehr Infos zum Programm findet ihr hier. Bewerbungsschluss für das nächste Coachingprogramm ist der 31. August 2025.

Drei Tipps für alle, die gründen wollen

Sarina Isabell Appelgren hat auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit viel gelernt – und gibt anderen Gründer:innen drei konkrete Tipps mit auf den Weg:

  1. Netzwerke suchen: Austausch mit Gleichgesinnten hilft fachlich und emotional.
  2. Nicht alles selbst machen: Unterstützung annehmen spart Nerven – und Zeit.
  3. Absagen nicht persönlich nehmen: Eine abgelehnte Finanzierung heißt nicht, dass die Idee schlecht ist.

Ein Blauton wie kein anderer

Der Laden, den Isabell schließlich beziehen konnte, wurde in Eigenregie renoviert. Mit Unterstützung ihres Freundeskreises verwandelte sie die Räume in genau das, was sie sich vorgestellt hatte. Besonders stolz ist sie auf ein Detail: „Ich hatte eine ganz bestimmte Vorstellung von einem Blauton für die Regale – und bin am Ende beim Autolackierer fündig geworden.“

Der Look? Frisch, farbenfroh, durchdacht. Und persönlich. „Es ist genau so geworden, wie ich es wollte. Auch wenn mir alle gesagt haben, ich sei verrückt, wegen einer Farbe so einen Aufwand zu machen.“

Wer durch den Laden stöbert, entdeckt Pullover für Hundeliebhaber:innen, Becher mit augenzwinkerndem „Dog Mom“-Print, verspieltes Hundespielzeug, kuschelige Liegekissen und Leinen aus Naturmaterialien – alles mit viel Gespür ausgewählt.

Und mit etwas Glück begegnet man auch Bulldogge Helmut – er liegt oft entspannt auf seiner Hundeliege vor dem Laden und beobachtet das Treiben im Viertel.

Die Hunderbäckerei Schnauze im Bremer Viertel
Vor Schnauze! macht es sich Bulldogge Helmut gemütlich auf seinem rosa Ruheplatz. © Quest

Die Community wächst – und mit ihr die Idee

Seit Februar 2025 ist „Schnauze!“ geöffnet – und entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Der Online-Shop ist in Planung, die Kundschaft wächst. Viele kommen aus dem Viertel, einige reisen auch von weiter her an. Besonders die Bäckerei sorgt für Wiederkehrer auf vier Pfoten.

Isabell hat eine klare Vision: „Wenn alles gut läuft, wäre es schön, dieses Konzept auch in anderen Städten umzusetzen.“ Die Idee von „Schnauze!“ soll wachsen – genauso wie die Community, die sie aufgebaut hat. Doch bis dahin ist erst einmal eines klar: „Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Aber es fühlt sich genau richtig an.“

Wollt ihr ein Unternehmen gründen, euer Business sicher starten oder weiter wachsen? Dann schreibt uns gern eine Nachricht über unser Kontaktformular, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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