Gesund, lecker und umweltschonend: Das Superfood Microgreens gibt es jetzt auch aus Bremen
ErfolgsgeschichtenSpeedygreens vertreibt köstliche Keimlinge mitten aus Bremen für Bremen und umzu
Klein und bereit zum Verzehr: Die Keimlinge von Speedygreens vertreibt Lil Matous aus dem Viertel in Bremer Restaurants und an Laufkundschaft. Im Artikel erzählt sie, wie sie auf die Idee kam, Radieschen, Erbsen und Rotkohl als Keimlinge zu züchten und zu verkaufen – und welche Herausforderungen es gibt.
Angefangen hat es wie so oft mit vielen Ideen und Umwegen. „Lil hatte schon viele Ideen für eigene Projekte und ist der kreative Kopf in unsere Beziehung“, erzählt ihr Partner Krisztian Totfalusi. Ursprünglich wollten die beiden Wahl-Bremer:innen ins Microfarming einsteigen. Also Gemüse auf einer kleinen landwirtschaftlichen Fläche anbauen. Beim Microfarming wird oft alles per Handarbeit umgesetzt, ohne Maschinen. Nach einiger Recherche und vielen Pros und Kontras sind die Beiden dann aber auf Microgreens gestoßen: Keimlinge, die indoor und auf kleinem Raum gezüchtet werden. Krisztian überzeugte Lil, dass sie doch damit starten könnte. Es schien einfacher, realistischer, sie wäre dem Wetter nicht so ausgesetzt – und so ging die Recherche in diese Richtung weiter.
Aller Anfang ist schwer – es geht auch leichter
Lil Matous war zu diesem Zeitpunkt arbeitssuchend und nun überzeugt den Schritt aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Agentur für Arbeit übermittelte ihr ein Coaching, wodurch sie die ersten Steps einer Existenzgründung kennenlernte. Mit dem ersten Entwurf ihres Businessplan, aber immer noch vielen offenen Fragen, ging sie ins Starthaus Bremen & Bremerhaven mitten in der Bremer Innenstadt. „Hier habe ich zwei Starthelfer:innen getroffen, die mir viele Tipps für den Aufbau meines Geschäftsmodells und das Schreiben meines Businessplans gaben“, erzählt Lil. „Auch die vielen Fragen wurden mir hier verständlich und umfassend beantwortet.“ Mit neuem Elan passte sie ihren Entwurf an, ging zurück ins Starthaus und bekam die positive Stellungnahme, um den Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit zu erhalten. Der erste Meilenstein war erreicht.
Die Suche nach dem richtigen Laden
Nun musste noch eine passende Location für die Aufzucht der zarten Pflänzchen gefunden werden. „Tatsächlich war das eine wirklich große Herausforderung“, sagt Lil rückblickend. „Die Räumlichkeiten sollten die Anforderungen für die Aufzucht von Lebensmitteln erfüllen, zum Beispiel ein Belüftungssystem haben, relativ zentral in Bremen sein und natürlich nicht die Welt kosten.“ Als diese Hürde gemeistert und die passende Location gefunden war, dauerte es noch knapp zwei Monate bis das Geschäft so aussah, wie sie es sich vorstellte. Mit der Hilfe ihres Freundes hat sie die Räumlichkeiten kernsaniert und alles Nötige für die Einrichtung besorgt.
Microgreens: Das Superfood, das Gemüsemuffel überzeugt
Was genau sind denn nun Microgreens? „Viele kennen Sprossen oder Kresse aus dem Bio-Markt – diese werden oft mit Erde und Wurzeln verkauft“, erklärt Lil Matous. „Bei Microgreens schneide ich die kleinen Pflänzchen über der Erde ab. So sind sie verzehrfertig und müssen nicht noch geschnitten oder gereinigt werden. Einfach rein in den Salat oder auf’s Brot.“ Ob scharfe Radieschen, würziger Rettich oder milde Brokkoli – die Keimlinge haben einen intensiven Geschmack, der auch Gemüsemuffel überzeugt. „Da ist wirklich für jeden Gaumen etwas dabei. Milde Erbsenkeimlinge, Sonnenblumen, die nussig schmecken – der Geschmack ist super vielseitig.“
Wem das nicht reicht, der sollte einen Blick auf die Nährstoffe werfen: „Dadurch, dass ich die Keimlinge über der Erde abschneide, bestehen die Microgreens aus Stängeln und Blätter“, so die Unternehmerin. „Dadurch enthalten sie viel Chlorophyll, was bei Sprossen zum Beispiel nicht der Fall ist, und sie haben einen hohen Eiweißgehalt.“ Die kleinen Grünkräuter, wie sie auch genannt werden, weisen zudem einen sehr hohen Vitamingehalt, insbesondere von Vitamin C, E und K, und sind reich an Antioxidantien und Mineralien. „Einen gesünderen Snack gibt es wohl kaum“, lacht die Speedygreens-Gründerin.
Klinken putzen für mehr Aufmerksamkeit
„Schon während des Schreibens meines Businessplans habe ich eine Wettbewerbsanalyse gemacht und festgestellt, dass ich die Einzige bin, die in Bremen Microgreens züchtet und vertreibt“, so die Selbstständige. Gerade bei den Keimlingen ist Frische ein wichtiges Gut, dass sie den hiesigen Restaurants durch die gute Lage bieten kann.
„Meine Hauptkundschaft sind Restaurants in Bremen und umzu“, so die 43-Jährige. „Anfangs bin ich im Viertel Klinken putzen gegangen und habe den Leuten vor Ort erklärt, wer ich bin und was ich mache. Das war eine riesige Überwindung für mich, da ich sonst eher introvertiert bin.“ Für den Verkauf im Einzelhandel fehle ihr noch eine Zertifizierung, die sie sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht leisten könne. „Aber daran arbeite ich. Auch bin ich im Austausch mit einem Gemüsegroßhandel, über den ich wiederum viele neue Kundinnen und Kunden in der Gastronomie erreichen könnte.“ Einige Privatkundinnen und -kunden kommen auch direkt zum Laden, um dort die Speedygreens in kleinen Mengen zu kaufen. Dafür nutzen sie Verpackungen aus Maisstärke. Geplant ist ein größerer Außer-Haus-Verkauf hier aber erst einmal nicht.
Tipps für Gründer:innen
Auf die Frage, was sie anderen Menschen raten würde, die gern selbstständig wären, antwortet sie: „Einfach machen! Ich weiß, es ist einfacher gesagt als getan. Aber wenn man sich wirklich dahinterklemmt und bereit ist, viel Zeit zu investieren, sollte man es versuchen.“
Wer einen ersten Eindruck gewinnen und mehr über Speedygreens erfahren möchte, besucht am besten ihr Instagram-Profil „speedygreens_bremen“.
Wollt ihr ein Unternehmen gründen, euer Business sicher starten oder weiterwachsen? Dann schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.
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