5.4.2024 - Diana Bluhm

Mit der Startup-Förderung „BRE-Up“ in Bremen abheben

Startups

Diese Startups wurden 2023 durch „BRE-Up“ gefördert

Ein Mann und eine Frau arbeiten an einem Prototypen
© Starthaus/iStock

Eines der größten Herausforderungen bei der Gründung ist die Finanzierung – ob zum Starten oder später zum Wachsen. Insbesondere Startups haben einen hohen Finanzierungsbedarf bevor sie mit ihrer innovativen, digitalen und skalierbaren Idee Gewinne erzielen. Oftmals fehlt es insbesondere in der Phase an finanzieller Unterstützung, in der das Produkt oder die Dienstleistung noch nicht am Markt ist. Genau für diese Phase, wenn das Unternehmen einen Prototypen bauen und validieren will, wurde die Startup-Förderung geschaffen. Die „BRE-Up“-Förderung schließt diese Finanzierungslücke für Startups in Bremen.

In der Seed-Phase, also in der Phase einer Unternehmensgründung, bei der die Geschäftsidee entwickelt und realisiert wird, werden die Grundlagen für jedes Startup gelegt. Umsetzung der Geschäftsidee, Erstellen des Konzepts und die Herstellung eines Prototypens stehen hier im Fokus. Umso wichtiger ist eine Förderung, die die Startups dabei unterstützt, Prototypen erfolgreich weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen.

Innovative Startups aus Bremen und Bremerhaven erhalten bis zu 150.000 Euro

Im April 2023 gab das Wirtschaftsressort bekannt, dass die Antragsstellung für eine neue Förderung, die „BRE-Up“ Startup-Förderung, startet. Die Förderung richtet sich an hoch innovative (High und Deep Tech) Startups mit Sitz im Land Bremen, die nicht älter als fünf Jahre sind und ihren Prototypen weiterentwickeln und zur Marktreife bringen möchten. Weiterhin muss das Vorhaben des Unternehmens auf die Schlüsselbranchen und -technologien oder innovativen Brachen aus der Innovationsstrategie 2030 des Landes Bremen einzahlen.

Insgesamt stehen für das Programm in der ersten Phase bis 2025 Mittel in Höhe von rund vier Millionen Euro zur Verfügung, mit maximal 150.000 Euro als Fördersumme pro Gründungsvorhaben. „Mit Zuschüssen zu allen benötigten Ausgaben, etwa für Personal, Marketing oder die Entwicklung von Prototypen, können wir Startups dabei unterstützen, ihre Ideen in die Marktreife zu bringen“, so Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. „Das gab es vorher in der Startup-Förderung Bremens nicht. Das neue Programm ergänzt die bereits bestehenden Angebote wie Coachings, Mikrokredite oder Beteiligungen.“

Um die vollumfängliche Beratung, Unterstützung und Bearbeitung der Anträge umzusetzen, arbeitet das Startup-Team aus dem Starthaus Bremen & Bremerhaven, einem Segment der BAB – Die Förderbank, eng mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen der BAB sowie der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH, wo die Anträge aus Bremerhaven bearbeitet werden, zusammen. Dieses interdisziplinäre Team stellt sicher, dass die Vorhaben unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Innovationsgrad und Skalierbarkeit als passend für die Förderung eingestuft werden und die Abwicklung des Antrags – vom Festlegen der Meilensteine über das richtige Ausfüllen des Antrags bis hin zur Entscheidung – schnellstmöglich vonstattengeht.

Auch nach der Antragsstellung wird das Startup inhaltlich und fachlich über die Meilensteine hinweg bis zum Projektende von unserem Startup-Team betreut. „Wir unterstützen die Startups mit unserem Know-how beispielsweise zu Organisationsaufbau, Vertriebs- und Go-To-Market-Strategien oder stellen unsere Netzwerke zur Verfügung. So zielt alles darauf ab, dass die Startups mit unserer Förderung möglichst schnell den Markteintritt schaffen“, erzählt Kostja Hausdörffer aus dem Startup-Team des Starthauses.

In 2023 konnten sich vier Startups aus Bremen die „BRE-Up“ Förderung sichern: Skinuvita, Heatrix, FleXality und Holistic. Hier eine kurze Vorstellung der Startups und die Antwort auf die Frage, wofür sie die Förderung nutzen werden.

Skinuvita ermöglicht Hauttherapie in den eigenen vier Wänden

Jan Elsner auf der Bühne
Hat gemeinsam mit seinem Team einen Therapiemanager für Menschen mit chronischen Hauterkrankungen entwickelt: Skinuvita-Gründer Jan Elsner. © Life Science Factory

Die Phototherapie gilt als günstige und gut verträgliche Behandlung für Menschen, die unter chronischen Hautproblemen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis leiden. Damit diese jedoch Erfolg zeigt, müssen die Patient:innen über einen langen Zeitraum regelmäßig eine Arztpraxis aufsuchen. Das muss doch auch von Zuhause aus funktionieren, dachte sich Jan Elsner, Gründer des Bremer Startups Skinuvita, und hat gemeinsam mit seinem Team einen Adapter sowie eine App entwickelt, mit dem Betroffene die Therapie in den eigenen vier Wänden nutzen können. Dieses System ist jedoch nicht ausreichend für die Heimtherapie, da bestehende Hardwarelösungen nicht den hohen Anforderungen der Kundinnen und Kunden oder auch den Erwartungen von Betroffenen entsprechen.

Um eine Veränderung in der Phototherapie zu ermöglichen, braucht es darüber hinaus eine Hardwarekomponente. Durch die Startup-Förderung kann Skinuvita diese Hardwarekomponente entwickeln und ein Komplettanbieter für die Heimtherapie werden.

„Dank der Förderung wird es uns möglich sein, ein innovatives System bestehend aus Hardware und Software zur Heimbehandlung von chronischen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Neurodermitis mittels Phototherapie zu entwickeln“, so Gründer Jan Elsner. Ihr Ziel: Mehr Lebensqualität für die Betroffenen, Verbesserung der Behandlungssicherheit, Ökobilanz und medizinischen Abläufen. Bei der BAB lest ihr die spannende Gründungsgeschichte von Skinuvita.

Heatrix produziert heiße Luft und senkt so den CO2-Ausstoß

Seit der Gründung im Jahr 2021, hat es sich Heatrix zur Aufgabe gemacht, den CO2-Ausstoß in der Industrie zu verringern. Mit Hitze aus grünem Strom statt fossilen Brennstoffen. Der Fokus des Teams liegt dabei auf der Prozesswärme, jener Wärme, die etwa bei der Produktion von Stahl, Zement und Keramik unerlässlich ist – und die heute vermehrt noch aus fossilen Energien gewonnen wird. Ihr „Proof of Concept“ steht heute in der Halle des Bremer Instituts für Produktion und Logistik (BIBA) im Technologiepark.

Heatrix Prototyp
© Heatrix

Hier testet und entwickelt das Team ihren „überdimensionalen Föhn“, wie sie ihn selbst beschreiben. Die Erbringung der technischen Machbarkeit war ein wichtiger Meilenstein, um sich für die Startup-Förderung zu bewerben und den Fokus auf die Weiterentwicklung des Prototypens zu legen. Für den ökologischen Impact ihrer Arbeit wurde das Green Tech Startup im Juni 2023 mit dem Nachhaltigkeitspreis des Bremer Gründungspreises 2023 ausgezeichnet.

„Die Startup-Förderung ermöglicht uns, einen wesentlichen Schritt bei unserer Technologieentwicklung voranzukommen“, erzählt Gründerin Dr. Wei Wu. Eine präzise Regelung des Heatrix-Systems sei entscheidend, um den kontinuierlichen Prozessbedarf der Industrie mit der schwankenden Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen zu synchronisieren. Ziel des Projektes ist daher, eine optimale Steuerung für das System zu konzipieren, umzusetzen und den Prototypen dahingehend zu erweitern. „Dies ist ein wichtiger Baustein für die Skalierung zu einem ersten kommerziellen Heatrix-System, das 2025 marktreif sein soll“, verrät die Gründerin.

FleXality optimiert Stromkosten von Tiefkühllagern für schnellere Energiewende

Das Team von fleXality
© fleXality

FleXality nutzt das Expertenwissen aus Data Science, Energie- und Automatisierungstechnik, Logistik und Organisationsentwicklung, um die Energiewende in der Industrie entschieden voranzutreiben.
„Uns hilft das Startup-Förderprogramm dabei, unser Produkt fleXcoolTM weiterzuentwickeln“, erzählt Dyke Wilke, einer der Gründer und Geschäftsführer von fleXality. Durch die KI-gestützte Software können Betreibende von Tiefkühllagern ihre Stromosten und CO2-Emission um mehr als 20 Prozent reduzieren, indem das Startup die Tiefkühllager als Energiespeicher nutzt.

Wenn der Strom besonders günstig und grün ist, wird mehr Kälte erzeugt, sodass zum späteren, teureren Zeitpunkt weniger Energiebedarf zur Kälteerzeugung notwendig ist. Dadurch ist es möglich, die Energiekosten signifikant zu reduzieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Kundinnen und Kunden von fleXality zu steigern.

Holistic: die All-in-One Lösung für das private Vermögen

Holistic hat es sich zum Ziel gesetzt, das Investieren einfacher zu gestalten, indem sie eine ganzheitliche Sicht auf die eigenen Finanzen und Assets ermöglicht. Mit der Software soll das Tracken der eigenen Aktien, ETFs, Kryptowährungen, Immobilien und vielem mehr für jede:n möglich und vor allem simpel sein. Das Startup gibt den Kundinnen und Kunden die richtigen Tools an die Hand, um sie ihren Finanzzielen näherzubringen – unabhängig, ob die Versorgung der Familie oder die finanzielle Unabhängigkeit angestrebt wird.

Ein Screenshot der holistic App
© holistic

„Die Startup-Förderung hat es uns ermöglicht, eine finanzielle Sicherheit für die kommenden zwei Jahre zu erreichen, was für uns von unschätzbarem Wert ist“, so Burcu Sahin von Holistic. Diese Unterstützung gibt dem Team die Möglichkeit, die gesamte Energie und Aufmerksamkeit der Weiterentwicklung und Verbesserung von Holistic zu widmen.“

Der erste Schritt führt in die Beratung

Das Bewilligungsverfahren für die Startup-Förderung „BRE-Up“ verläuft in einem dreistufigen Prozess bestehend aus Vorauswahl, Businessplanphase und Antragsstellung. Ganz zu Beginn sollte ein erstes Beratungsgespräch mit dem Starthaus oder der BIS stattfinden, um herauszufinden, ob euer Startup generell für die Förderung berechtigt ist oder ob noch andere Steps vorher zu gehen sind. Auch hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten und Programme, zu denen wir euch beraten können.

Ihr habt auch Interesse an der Startup-Förderung? Dann schreibt uns gern eine Nachricht über unser Kontaktformular oder meldet euch direkt beim Startup-Team per Mail an startupfoerderung@starthaus-bremen.de.

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Zum Artikel bei Bremen Innovativ.
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Zum Artikel bei brem.jetzt