5.2.2021 -

Mit KI auf der Überholspur

Finanzierung
Roland Becker
Roland Becker: Gründer des KI-Startups botario © SWAE/Jonas Ginter

Mit einem Computer zu sprechen, wie mit einem Menschen – heute schon Realität statt Science-Fiction. Jedenfalls für das KI-Start-up botario. Nach dessen Chatbots fragen selbst große Konzerne.

Alan Turing, Mathematiker und einer der „Väter der Künstlichen Intelligenz“, konzipierte im Jahr 1950 den berühmten Turing-Test. Das Gedankenexperiment diente dazu herauszufinden, ob ein Computer über Intelligenz verfügt: Eine Testperson chattet räumlich getrennt gleichzeitig mit zwei Partnern. Einer dieser Partner ist ein Computer, ohne dass bekannt ist, welcher. Kann die Testperson im Nachhinein nicht entscheiden, wer von beiden der Computer war, gilt der Test als bestanden.

Die Chatbots von botario sind durchaus Kandidaten für ein positives Testergebnis. Die künstlichen Intelligenzen (KI) des jungen Unternehmens unterhalten sich täglich mit hunderten Menschen – per Chat oder am Telefon. Die gleichnamige Chatbot-Plattform „botario“ wird von Gründer Roland Becker zusammen mit einem kleinen Team entwickelt und ist unter anderem bereits erfolgreich bei elf Krankenkassen und im Bewerbungsmanagement von mehreren Industriekonzernen im Einsatz.

Aufgaben übernehmen, Teams entlasten

Ein typischer Anwendungsfall ist dabei die telefonische Terminabsprache. „Termine auszumachen kostet viel Zeit. Die können Kundenberaterinnen und -berater von Krankenkassen besser für komplexere Fälle nutzen. Unsere künstliche Intelligenz nimmt ihnen diese Routinetätigkeit ab“, so Gründer Becker.

Aber auch bei schwierigeren Fragestellungen springt der Chatbot ein, etwa bei der Berechnung des individuellen Krankengelds oder des Zuschusses zum Zahnersatz. Das Medium ist dabei egal – ob am Telefon, im Chat, Whatsapp, E-Mail oder per SMS.

RASAnt unterwegs

Technisch beruht die Plattform auf RASA, der weltweit führenden frei verfügbaren (open source) Software für Conversational AI. Auch mit RASA selbst lassen sich KIs verwalten und Conversational AI Systeme bauen, aber längst nicht so komfortabel und gut wie mit botario – meint zumindest der Bremer Gründer selbstbewusst: „Es gibt nur wenige auf dem Markt, die sich technisch auf ähnlichem Niveau bewegen wie wir. Was wir hier machen, ist das nächste Level der Automatisierung im Sprachbereich. Mit RASA als Grundlage, mit unseren eigenen KI-Komponenten und mit der vollständigen Integration von Telefonie-Lösungen sind wir da anderen Chatbots deutlich voraus.“

Klingt beeindruckend – aber Becker muss es wissen. Er selbst ist „RASA Hero“, von RASA ausgezeichnet für seine wertvollen Beiträge zur Verbesserung der freien Plattform. Zusammen mit seinem Team setzt er zudem alles daran, immer up-to-date zu bleiben. Denn die KI-Technologie verändert sich laufend.

Erfolgsfaktor: Vertrauen

Dabei ist botario mehr als eine Chatbot-Software – es ist eine Management-Plattform für die Automatisierung von Dialogen und Prozessen aller Art. Sie ermöglicht es Angestellten, ohne Programmierkenntnisse selbständig auf das System zuzugreifen, es zu erweitern und zu verbessern. Eine wichtige Komponente. Denn auf diese Weise schaffen Becker und sein Team Vertrauen in die KI.

„Eine KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert wird. Das Wissen aus den Fachabteilungen – ob bei Krankenkassen oder etwa in der Personalabteilung eines Industriekonzerns – ist dafür entscheidend. Dort sitzen aber keine KI-Profis, die programmieren können“, erklärt Becker. Die botario-Plattform kann von jedermann und jederfrau bedient werden – je nach Erfahrung mit unterschiedlichen Berechtigungsstufen.

„Unser Team setzt den Chatbot am Anfang auf, wir weisen das Team ein, danach ziehen wir uns zurück. Unsere Kunden schauen regelmäßig auf das Verhalten der KI und justieren nach. Zur Not können wir natürlich jederzeit unterstützen“, erzählt Becker. „Mit unserer Plattform sorgen wir dafür, dass sich die KI-Bots immer zuverlässig und konsistent verhalten und insbesondere in Ausnahmesituationen oder bei sensiblen Themen eindeutige und kontrollierbare Antworten geben.“ Denn kein Unternehmen würde Chatbots einsetzen, die versehentlich unpassende Antworten geben, schon gar nicht in hochsensiblen Bereichen wie der Gesundheit.

Roland Becker mit einem Roboter im Hintergrund
Roland Becker gründete bereits das Startup JUST ADD AI © SWAE/Jonas Ginter

Notorischer Gründer

Roland Becker ist in der Bremer KI-Szene kein Unbekannter und dürfte vielen schon als Gründer des Start-ups „Just Add AI“ (JAAI) bekannt sein. Dass er nun mit einem zweiten Unternehmen auftaucht, ist Teil eines größeren Plans: „Mit JAAI beraten wir Unternehmen dazu, künstliche Intelligenz anzuwenden und wir entwickeln KI-Softwaren für sie. Manchmal entstehen dabei Produkte und Software-Lösungen, die gut skalieren können – also auch für viele weitere Unternehmen spannend sind. Die wollen wir dann über Ausgründungen in eigene Unternehmen skalieren“, erklärt der umtriebige Gründer. Und korrigiert: „Tatsächlich ist es sogar unser drittes Start-up, denn Scoutastic ist eine weitere erfolgreiche Ausgründung von JAAI, bei der inzwischen Transfermarkt.de die Mehrheit übernommen hat.“

Unterstützung aus dem Starthaus

Einen Investor für botario fand Becker in Form des EFRE-Beteiligungsfonds. Dieser unterstützt junge Unternehmen mit offenen Beteiligungen sowie Eigenkapital ergänzende Nachrangdarlehen in Höhe von bis zu 1,2 Millionen Euro. „Ich finde das Modell sehr attraktiv. Und die Zusammenarbeit mit dem Starthaus und den kompetenten Ansprechpersonen dort klappte wirklich gut“.

Bleibt noch eine Frage: Wie schafft es Becker, drei Start-ups zu managen, sich beim Digitalverband bremen digitalmedia aktiv für die Bremer KI-Szene im Netzwerk Bremen.AI zu engagieren und nebenher auch noch den Podcast „Think Reactor“ zu moderieren? „Ein super Team ist dafür unerlässlich. Und die Möglichkeit, aus einer Fünf-Tage-Woche eine Sieben-Tage-Woche zu machen“, verrät er lachend. „Wenn es einem Spaß macht, fällt die Zeit kaum ins Gewicht. Dann ist es eher schwer, nicht so viel zu arbeiten. Aber darauf passen meine Frau und meine drei Kinder schon auf, denn die stehen bei mir, trotz allem Spaß bei der Arbeit, immer an erster Stelle.“

Und damit dürfte auch klar sein – es wird nicht das letzte Unternehmen sein, was Becker in Bremen auf die Beine stellt.

An einer Gründung interessiert? Schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

Erfolgsgeschichten


Erfolgsgeschichten
25.11.2022
„Ich fotografiere meine Kundinnen so, wie ich als Frau selbst fotografiert werden möchte“

Als Fotografin hat sich Beata Zawacki auf den Nischenbereich der Boudoir-Fotografie spezialisiert. In ihrem Studio in dem Bremer Stadtteil Neue Vahr Nord stellt sie weibliche Sinnlichkeit, Sex-Appeal und Selbstbewusstsein in den Vordergrund.

Zum Fotostudio
Pressemitteilung
18.11.2022
BAB und Starthaus eröffnen Veranstaltungsraum in Bremen

Ein zentraler Ort für die Gründungs- und Unternehmer:innen-Szene sowie für das Thema Wohnen in Bremen. Das verspricht das sogenannte BAB LAB. Am Freitag eröffnete die BAB – Die Förderbank gemeinsam mit dem Segment Starthaus das BAB LAB in der Bischofsnadel 6 – direkt im Herzen Bremens und damit unweit der Zentrale am Domshof 14/15.

Zur Pressemitteilung
Starthaus Women
11.11.2022
„Unsere Aufgabe ist es nicht, Wände pink zu machen, sondern reale Bedürfnisse zu erfüllen.“

Carolina Bergedieck und Johanna Hannemann haben sich direkt nach dem Studium mit einem Design- und Innenarchitekturstudio selbstständig gemacht. Dass sie sich heute aufeinander verlassen können, haben sie einer Panne zu verdanken – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das ist ihre Story