1.12.2021 - Jann Raveling

Nachhaltig aus Überzeugung – wie diese Bremerin auf Seifen mit Naturrohstoffen setzt

Erfolgsgeschichten

Gründerin Claudia Schreiber in neuen Räumen in der Überseestadt

Claudia Schreiber in ihrem neuen Laden in der Bremer Überseestadt
Claudia Schreiber ist mit ihrem Laden "Martha's Corner" in die Bremer Überseestadt gezogen und hat nun eine Schauwerkstatt. © Caroline Lehnigk

Neue Werkstatt, neue Verkaufsräume in der Überseestadt: Claudia Schreiber hat jetzt richtig viel Platz. Denn ihre Seifen und Kosmetika stoßen über Bremen hinaus auf Begeisterung. Wirklich nachhaltig zu produzieren, ist dabei eine Herausforderung, wie die Gründerin verrät.

Ein frischer, zitroniger Duft liegt in der Luft. Claudia Schreiber hat auf der Arbeitsfläche vor sich einen riesigen Edelstahltopf stehen, in dem sie bereits Sheabutter und Babassuöl geschmolzen hat. Heute steht in ihrer Seifenmanufaktur „Martha’s Corner“ in der Bremer Überseestadt die Produktion von Ingwer-Lemongras-Seife an: Nach und nach gibt sie zum geschmolzenen Fett die flüssigen Öle und die Lauge. Dann folgen Tonerde und naturreine ätherische Öle. In ihre Produkte kommen nur natürliche Substanzen.

„Ganz ohne Firlefanz“, sagt Schreiber dazu. Und meint damit nicht nur die Biorohstoffe, die 95 Prozent ihrer Produktion ausmachen, sondern auch ihr ganz bewusst schlicht gehaltenes Design: die Seifen zu rechteckigen Blöcken geformt, die Banderolen aus Bio-Papier minimalistisch designt. Sternchen-Formen zu Weihnachten sind für die 53-Jährige schon das Höchste der Gefühle.

Wer nachhaltig produzieren will, muss recherchieren

Einfach, geradeaus, konsequent – wer eine Seife von der Betriebswirtin in der Hand hält, fühlt, riecht und sieht sofort, wie die Gründerin tickt. „Man muss wissen, was man tut. Einfach zwei Öle zusammenkippen reicht nicht“, verdeutlicht Schreiber, während sie mit viel Geduld und Sorgfalt die Seifen-Masse mit einem riesigen Pürierstab und einem großen Teigschaber rührt.

Schreiber will es genau wissen: Sie bildet sich derzeit im Bereich der Kosmetik- und Haarpflegeentwicklung fort, liest regelmäßig wissenschaftliche Paper, bleibt auf dem Laufenden. Und vor allem betreibt sie stundenlang Recherche. Denn wirklich nachhaltig zu produzieren ist eine Herausforderung. „Man kann Labels und Zertifikaten nicht vorbehaltlos vertrauen. Ich prüfe nach, wie meine Rohstoffe vor Ort entstehen. Das kostet viel Zeit, aber das ist es mir und meinen Kundinnen und Kunden wert“, ist sie überzeugt.

Wo „fair“ draufsteht, soll auch fair drinstecken. Ihre Sheabutter und das Babassuöl bezieht sie zum Beispiel von einer Frauenkooperative in Ghana und Brasilien, das Kokosöl aus einer Landarbeiterkooperative von den Philippinen.

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Skalieren, um Nachfrage zu bedienen

Das Rühren der Seife ist ein zentraler Arbeitsschritt. „Puddingstadium“ nennt sie den zu erreichenden optimalen Zustand der flüssigen Seife, die sie später zum Trocknen in Formen gießt. Zum Rühren nutzt sie Großgerät aus dem Gastrofachhandel. Denn ihre Töpfe haben sich gerade erheblich vergrößert, seit sie im Herbst 2021 ihre Produktionskapazitäten erweitert hat. Von ihrem kleinen Laden im Bremer Stadtteil Findorff ist sie in die Überseestadt gezogen. Hier hat sie sich auf 200 Quadratmetern in einer Kaffeefabrik eingerichtet – und kann jetzt richtig loslegen. „Statt hundert Seifen mache ich jetzt tausend auf einmal. Mit dem Platz skaliert auch meine Produktion, ich schaffe viel mehr in weniger Zeit.“

Ihre Seifenprodukte finden immer mehr Abnehmerinnen und Abnehmer, sie angelte sich schon mehrere Großaufträge, beliefert den Einzelhandel in Bremen aber auch darüber hinaus. Ein Teil geht in den eigenen Onlineshop – oder in ihren Verkaufsraum, den sie an zwei Tagen die Woche öffnet. Und der einen Blick auf ihre Produktion zulässt, eine gläserne Seifenmanufaktur.

Damit befindet sie sich in bester Gesellschaft: Direkt nebenan sitzt das Lloyd-Caffee von Christian Ritschel, denen neugierige Augen ebenfalls beim Rösten über die Schulter blicken können. Außerdem liegt die Lebkuchenfertigung von Manke & Coldewey um die Ecke. „Es ist eine tolle Gegend hier – wer zu uns kommt, kann einiges erleben. In Zukunft planen wir, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, verrät sie schon.

Martha's Körperöl - von Claudia Schreiber selbst produziert
Neu im Sortiment: Martha's Öle für Körper, Gesicht und Bart © Starthaus/Jann Raveling

Für empfindliche Haut besonders geeignet

Im Angebot führt Schreiber ein Dutzend unterschiedliche Seifen, festes Shampoo, Wascherde, Körpercreme, Lippenbalsam und ganz neu: Öle für Körper, Gesicht und Bart. Viele Stammkundinnen und -kunden vertrauen der Seifenmeisterin aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manche leiden unter Neurodermitis, andere haben Duftstoffallergien oder eine Chemotherapie hinter sich. Sie schätzen es, dass ihre Produkte frei sind von jeglichen künstlichen Aromen, Mineralölen oder Mikroplastik, sagt Schreiber, die in Bremerhaven aufgewachsen ist.

Viele von ihnen folgen ihr in die Überseestadt, das treue Klientel verschmerzt den längeren Anfahrtsweg. Schon längst kann Schreiber die hohe Nachfrage nicht mehr alleine bedienen: Eine studentische Aushilfskraft greift ihr regelmäßig unter die Arme. Außerdem sucht sie noch nach weiterer personeller Verstärkung – am besten mit Begeisterung für nachhaltige Produkte.

Aktenkoffer gegen Rührlöffel getauscht

Schreiber arbeitete lange Zeit als Betriebswirtin und Wirtschaftsjuristin, verdiente viel Geld. „Ich bin durch die Welt geflogen“, erzählt sie. Doch irgendwann merkte sie, dass sie der Job nicht glücklich machte. „Vor allem der Umgang von Führungskräften mit Beschäftigten hat mir nicht gefallen. Ich dachte mir, das kann man besser machen.“ In ihrer Freizeit reizte sie immer schon das Kreative, sie nähte oder fertigte Geschenkboxen an, die sie über Dawanda verkaufte – einem früheren Online-Portal für selbstgefertigte Produkte.

Während ihrer Kreativzeiten begleitete sie stets ihre Katze Martha, die es sich meist auf einer Ecke des Arbeitstisches bequem machte und ihr beim Handarbeiten interessiert zuschaute. So kam Schreiber, die neben der Thai-Siamesin noch zwei weitere Katzen und einen Hund besitzt, auf den Labelnamen „Martha’s Corner“. Für das Seifensieden begeisterte sie sich über eine Dokumentation, die sie im Fernsehen sah. Sie zeigte die Folgen des Anbaus von Palmöl, das gern auch für Seifen verwendet wird. Claudia Schreiber begann zu recherchieren, wie sie Waschmittel selbst palmölfrei herstellen könnte. Das Thema ließ sie fortan nicht mehr los.

Die selbst produzierten festen Shampoos in Martha's Corner.
In ihrer neuen Werkstatt stellt Claudia Schreiber Seifen, feste Shampoo, Öle und vieles mehr selbst her. © Starthaus/Jann Raveling

Mit knapp 50 Jahren zur Gründerin geworden

Sie bildete sich weiter, sowohl inhaltlich als auch unternehmerisch. Zehn Jahre nach den ersten Versuchen im Seifensieden – mit knapp 50 – gründete sie schließlich die Seifenmanufaktur. „Ich habe mich lange auf diesen Schritt vorbereitet.“ Unterstützt wurde sie dabei vom Starthaus Bremen & Bremerhaven und der BAB – die Förderbank. „Ich bin sehr dankbar, dass ich den Schritt gewagt habe, das Starthaus und die BAB haben mir bei der Gründung mit Wissen und Rat zur Seite gestanden. Und die neue Kampagne Das Ding des Monats schafft eine tolle Reichweite für das Gründen in Bremen und natürlich auch für mich“, betont sie.

Auch die hohe Nachfrage bedeute, dass sie an manchen Tagen 16 Stunden arbeite, so wie es in der Vorweihnachtszeit der Fall ist. Noch gar nicht angefangen bei ihren neuen Ideen – etwa ein neues Kurskonzept, neue Produkte, Rezeptkarten für diejenigen, die selbst ihre Produkte anrühren wollen. „Ich habe kein Problem damit mein Wissen zu teilen. Bei mir im Laden kann man dann gleich die Rohstoffe erwerben“, malt sie sich die Zukunft aus.

Für Schreiber geht die Nachhaltigkeit zudem weit über den Verkaufstresen hinaus. Sie kooperiert mit dem Bremer Fahrradlieferdienst Cycologic, um ihre Produkte im Stadtraum an den Einzelhandel auszuliefern. Außerdem können Kundinnen und Kunden, die in Dosen verpackte Deos und Cremes kaufen und diese zu einem ermäßigten Preis auffüllen lassen. Muss sie doch einmal Plastik verwenden – einfach, weil es keine sichere Alternative gibt – redet sie ganz transparent darüber. „Ich verstecke nichts, ich mache niemandem etwas vor. Wer zu mir kommt, sieht, riecht und erfährt, wie das Handwerk funktioniert. Ich will kein Hochglanz, kein Firlefanz.“

An einer Gründung interessiert? Schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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