11.12.2020 -

Wie diese Gründerin die georgische Küche nach Bremen bringt

Erfolgsgeschichten
Nina Orjaneli
Nina Orjaneli, Gründerin und Geschäftsführerin von Maemani © Maemani

Georgien? Wo liegt das? Und was gibt es da? Die Gründerin Nina Orjaneli hat darauf eine Antwort: eine hervorragende Küche mit exzellenten Weinen. Und die bringt sie mit „MAEMANI“ nach Bremen.

Jeder Bissen eine Geschmacksexplosion. Im Gaumen vermischen sich Knoblauch, Koriander, Kümmel, Chili und viele Kräuter. Dazu Salz und die Erdigkeit der Walnuss: Die gerösteten Nüsse mit swanetischem Gewürzsalz von Nina Orjaneli sind eine Wucht. Das Salz ist eine Spezialität aus ihrem Heimatland Georgien – der Region Swanetien – und dort omnipräsent.

Jetzt soll es auch hier seinen Siegeszug antreten, wie auch der Rest der georgischen Küche. Zumindest, wenn es nach Nina Orjaneli geht. Mit „MAEMANI“ betreibt sie seit 2017 ein eigenes Catering- und Foodunternehmen mit Fokus auf die georgische Küche.

Georgien – Land voller Überraschungen

Eine Küche, die osteuropäische mit orientalischen Aromen vereint. „Die Gerichte sind nie mild, wir verwenden kräftige Gewürze, viele Kräuter – die georgische Küche hat Bumms!“, erzählt sie stolz. Die deftige Küche findet ihr flüssiges Pendant in den hunderten Rebsorten der Region. Georgien gilt als eine Wiege des Weinbaus und kann auf über 8.000 Jahre Weingeschichte zurückblicken.

Mit nur 3,7 Millionen Einwohnern und einer Fläche so groß wie Bayern sind Kultur und Küche der Kaukasusrepublik in Deutschland bisher kaum präsent. Dabei hat das Land viel zu bieten: Von der malerischen Schwarzmeerküste bis hin zu alpinen Bergregionen in 5.000 Metern Höhe. Dort oben, auf Wiesen zwischen 1.500 und 2.400 Metern Höhe, werden auch die Kräuter gesammelt, die Ninas Gewürzsalz verfeinern. Das Land gilt als einer der wichtigsten Exporteure für Wildkräuter weltweit.

Botschafterin zweier Kulturen

Für die Gründerin bedeutet die georgische Küche ein Stück Heimat, das sie auch in Bremen genießen kann – denn mit zerklüfteten Berglandschaften geizt die norddeutsche Flachlandschaft doch eher. Mit 18 Jahren kam sie nach Bremen, um hier an der Hochschule für Künste ihr Piano-Spiel zu perfektionieren.

Musik begleitet sie auch heute noch auf Schritt und Tritt. Fünf Stunden täglich übt die Konzertpianistin, lehrt nebenbei noch Klavier und gibt – wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie herrscht – regelmäßig Konzerte. Vor kurzem gewann sie zudem einen Stiftungspreis des Musikfonds für ein Video-Projekt, sie konnte sich unter 3.000 Bewerbenden durchsetzen.

Wo ist da noch Platz für ein eigenes Catering-Unternehmen? Nina lacht. „Mein Tag besteht zu 60 Prozent aus Klavier, 40 Prozent aus MAEMANI und 0 Prozent Privatleben.“ Aber sie liebt es so, denn sie versteht sich selbst als Botschafterin zweier Kulturen. „Wenn ich in Georgien bin, werbe ich für Deutschland und hier für meine Heimat!“

Durch Corona am Scheideweg

Mit MAEMANI startete sie einen Catering-Service, der Business-Events, Hochzeiten und Partys mit georgischen Köstlichkeiten versorgte. Beispiele gefällig? Nigviziani Badridshani, Walnuss-Auberginen mit Granatapfel- und Walnusscreme, Pkhali, rote Beete mit Walnüssen und Estragon oder Khachapuri, ein mit Käse gefülltes Brot.

„Wir hatten einen vollen Kalender, aber dann kam Corona“, erinnert sie sich an den März 2020. Als Zweifach-Selbstständige ein besonders harter Schlag. Keine Konzerte, keine Klavierstunden, keine Veranstaltungen. Von hundert auf null. Zwar gab es die Soforthilfen, aber eine langfristige Perspektive fehlte.

Kontakte in Bremen genutzt

Was tun? Auf einer Veranstaltung vor der Krise hatte sie den Bremer Christian Holz kennengelernt. Der Foodexperte berät die Lebensmittelindustrie mit seinem Unternehmen culicons bei der Entwicklung neuer Rezepte und Konzepte.

Auch für ihn war die georgische Küche Neuland: „Die Kombination der Lebensmittel macht sie so spannend. Ein Geschmack, der in Deutschland sicherlich gut ankommen wird, weil nicht zu exotisch, aber doch sehr besonders. Durch Nina habe ich die georgische Küche kennen- und lieben gelernt“, sagt er. Die Gründerin schätze er als unheimlich engagierten und zielgerichteten Menschen.

Zusammen kreierten sie georgische Produkte für zu Hause – Lebensmittel, die allmählich in ihren Onlineshop gelangen. Wie den „virtuellen georgischen Kochkurs“: ein Paket aus Wein und Gewürzmischungen, einer Tasche sowie der Anleitung für einen Videokochkurs für ein georgisches Drei-Gänge-Menü. Christian Holz steht dabei vor der Kamera und kocht vor.

verschiedene Produkte der MAEMANI-Kochbox
MAEMANI-Kochbox mit Georgienfaktor © MAEMANI

100 Pakete konnte Orjaneli bereits verkaufen. „Ich habe mir in den vergangenen Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut, darauf kann ich jetzt aufbauen und so mehr Menschen für die georgische Küche begeistern. Das Paket ist nur der Anfang!“, prophezeit sie.

Als nächstes sollen Brotaufstriche, Fitnessriegel oder eben die Gewürznüsse folgen. „Die Produkte sollen typisch georgisch sein, ich will ihnen aber einen gesunden Touch geben, dazu arbeite ich mit einer Ernährungsexpertin zusammen“, erläutert sie. Eine deftige Küche, die auf die eigene Linie achtet.

Gründungscoaching hilft beim Start

Neben der Zusammenarbeit mit Christian Holz nutzte Nina auch das Wissen des Starthauses Bremen während ihrer Gründungsphase. Von 2017 bis 2018 nahm sie am Coachingprogramm des Starthauses teil, das ein Jahr lang junge Unternehmen unterstützt. „Das Wissen und die Beratung des Teams haben mir weitergeholfen. Bremen bietet großes Potenzial für Gründerinnen und Gründer, vor allem in der Lebensmittelindustrie. Das finde ich toll.“ Auch heute steht sie in Kontakt zu anderen Gründenden – und Bremer Produkte wie die von CheWoW begeistern sie besonders.

Georgische Küche in Deutschland bekannt machen

Selbst für eine Powerfrau wie Orjaneli sind so ehrgeizige Pläne nicht allein zu bewältigen. Die Lebensmittelproduktion hat sie ausgelagert, sie selbst kümmert sich um Entwicklung, Vertrieb und Marketing. Ein Teil der Arbeit geht dabei an ihre georgische Familie – die Tante produziert das Gewürzsalz. Enger Zusammenhalt in der Familie ist ganz typisch für das Land. „Man isst eigentlich nie allein in Georgien. Wir sind sehr gesellig. Meine Familie kann sehr gut kochen, mir wurde die Begeisterung für die georgische Küche mit in die Wiege gelegt.“

Bleibt zuletzt noch die Frage nach ihrem georgischen Lieblingsgericht. Nina muss nicht lange zögern. „Kubdari“ heißt es, ein mit Fleisch und Zwiebeln gefülltes Brot. Natürlich kräftig gewürzt mit swanetischem Gewürzsalz.

An einer Gründung interessiert? Schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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