11.11.2022 - Jann Raveling

„Unsere Aufgabe ist es nicht, Wände pink zu machen, sondern reale Bedürfnisse zu erfüllen.“

Starthaus Women

Produktdesign und Raumgestaltung von Cajodesign

Johanna Hannemann und Carolina Bergedieck
Kamen durch einen Zufall ins Gespräch und sind nun Geschäftspartnerinnen: Johanna Hannemann und Carolina Bergedieck © Starthaus/Raveling

Carolina Bergedieck und Johanna Hannemann haben sich direkt nach dem Studium mit einem Design- und Innenarchitekturstudio selbstständig gemacht. Dass sie sich heute aufeinander verlassen können, haben sie einer Panne zu verdanken – im wahrsten Sinne des Wortes.

Es war das Ende einer einwöchigen Exkursion nach Rom, die den Grundstein für das junge Bremer Designstudo „Cajodesign“ legte: Auf dem Rückweg von einer Studienreise der Bremer Hochschule für Künste nach Italien machte der Exkursionsbus schlapp – und die Studierenden mussten eine Zwangspause einlegen. „Wir hatten viel Zeit zu reden und damals merkten Johanna und ich, dass wir ähnlich ticken, ähnliche Interessen und gestalterische Ansätze verfolgen“, erinnert sich Carolina Bergedieck.

Zurück in Bremen bringen die beiden Studentinnen ihr Integriertes-Design-Studium zu Ende. „Ich wollte mich eigentlich bewerben, aber durch die Coronapandemie hat sich die Ausgabe des Abschlusszeugnisses erheblich verzögert,“ erzählt Johanna Hannemann. „Carolina fragte mich, ob ich mir nicht vorstelle könnte, mit ihr gemeinsam freiberuflich zu arbeiten – und da habe ich zugesagt, ich hatte ja nichts zu verlieren.“

Pandemie verändert den Umgang mit Kundinnen und Kunden

Im Nachhinein genau die richtige Entscheidung, sind sich beide heute einig. Bergedieck hatte bereits während des Studiums Erfahrungen als Freiberuflerin gesammelt und sich mit einer Firmengründung auseinandergesetzt. Alleine ein Designstudio gründen wollte sie jedoch nicht.

Und so gingen die beiden die Herausforderung Anfang 2021 zu zweit an. Erste Aufträge fanden sich schnell ein: Auf Social Media posteten die beiden ihre ersten Arbeiten aus Studium, bald darauf fragten die ersten Kundinnen und Kunden an. Erst kleine Projekte, dann zunehmend größere.

Ein eher ungewöhnlicher Werdegang – denn viele Gründerinnen und Gründer aus der Kreativwirtschaft machen sich zunächst in ihrer Region einen Namen und werden lokal weiterempfohlen. „Die Pandemie hat da glaube ich vieles verändert. Unternehmen sind aufgeschlossener gegenüber rein virtuellem Kontakt. Man muss sich nicht mehr zwangsläufig von Angesicht zu Angesicht treffen. Zudem machte die Pandemie für uns den Aufbau eines klassischen lokalen Netzwerks schwer, sodass wir heute Kundinnen und Kunden in ganz Deutschland haben“, so Hannemann.

Von Planung bis hin zur Umsetzung dabei

Johanna Hannemann und Carolina Bergedieck schauen in ein Musterbuch
Die beiden Gründerinnen achten nicht nur auf ein gutes Design, sondern integrieren auch Nachhaltigkeit in die Konzepte. © Starthaus/Raveling

Aktuell arbeiten sie etwa zusammen mit einer Klinik daran, einen Aufenthaltsraum kinder- und jugendgerecht zu gestalten. „Unsere Aufgabe ist es nicht, die Wand pink anzustreichen, sondern die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer zu erfüllen“, erklärt Carolina Bergedieck. Als Interior Designerinnen setzen sie sich nicht nur mit dem Raum auseinander, sondern befragen auch die Kinder und Jugendlichen selbst, was sie sich wünschen.

Neben der Planung und dem Designentwurf übernehmen die beiden hier erstmalig auch die Ausführung. „Das ist auch für uns ein neuer Schritt, aber wahnsinnig spannend“, erklärt die 26-jährige Hannemann.

Sowohl für Privatpersonen, als auch Unternehmen arbeiten sie im Bereich der Innenarchitektur, dazu kommt noch ein kleinerer Bereich Produktdesign. Wenn es um die Neugestaltung eines Raums geht, bieten sie das volle Programm, von Materialauswahl über Raumaufteilung, Lichtkonzept, Farbgestaltung hin zu Möbeln und Geräten.

Klimaneutral und sozial gerecht im Bausektor

Dabei legen die beiden immer Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir legen unseren Kundinnen und Kunden von Anfang an nachhaltige Materialien nahe, aus denen sie auswählen können“, so Hannemann, die viel Zeit für Recherche und Auswahl von Lieferantinnen und Lieferanten aufwendet. Denn längst ist nicht überall nachhaltig drin, wo ein entsprechendes Zertifikat aufgeklebt ist. „Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden dafür sensibilisieren mit guten Rohstoffen zu arbeiten. Es muss natürlich nicht immer die 100-Prozent-Lösung sein – in manchen Bereichen gibt es sie auch gar nicht – aber man kann an vielen Punkten ansetzen. Und dabei helfen wir,“ so die Designerin.

Neben der ökologischen Nachhaltigkeit nehmen sie auch die anderen Säulen – ökonomische und soziale – in den Blick. Bei ihrem neusten Auftrag müssen sie etwa die Räume der Klinik barrierefrei gestalten. „Das lässt sich ganz natürlich ins Raumdesign integrieren, ohne dass es auffällt. Und das ist auch unser Anspruch“, erklärt die 29-jährige Bergedieck.

Krise? Krise ist immer

Auch wenn die beiden auf einer Wellenlänge liegen, so hat doch jede ihre jeweiligen Vorlieben, wenn es ums Business geht. Während Bergedieck die Organisation übernimmt, liebt es Hannemann, sich auf die Suche nach neuen Materialien zu begeben, um etwa den perfekten Fußbodenbelag zu finden. „Wir stimmen uns natürlich jeden Tag sehr viel ab, arbeiten gemeinsam in einem Büro und können uns so gegenseitig auffangen, wenn die eine mal ein wenig down ist“, erklärt Hannemann.

Das ist aber eher selten der Fall, denn für Cajodesign geht es vor allem aufwärts. „Trotz der Krise haben wir gut zu tun. Wir merken natürlich, dass im privaten Baubereich gerade wenig passiert. Aber wir sind mit Krisen in die Selbstständigkeit gestartet. Erst Corona, dann Rohstoffmangel, jetzt Inflation und Rezession – davon lassen wir uns nicht abschrecken.“

Starthaus ebnet Weg in die Gründung

Um sicher durch die Unwägbarkeiten zu navigieren, nutzen sie die Unterstützung des Starthauses Bremen & Bremerhaven. Bereits im Vorfeld der Gründung hatte Bergedieck am einjährigen Starthaus-Coachingprogramm teilgenommen. Heute besuchen die beiden regelmäßig den Female Founders Coffee Club, der Gründerinnen regelmäßig zum gemeinsamen Austausch lädt. „Ein toller Start in die Woche, wir genießen den ungezwungenen Austausch sehr.“ Und auch sonst habe das Starthaus Cajodesign mit Beratung und Tipps hilfreich unterstützt.

Was können die beiden also jungen Gründerinnen und Gründern noch empfehlen, außer den Gang zum Starthaus? „Gerade in der Kreativwirtschaft ist es wichtig, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Das ist am Anfang natürlich schwer einzuschätzen, aber man darf auch mal Projekte ablehnen, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis einfach nicht stimmt“, erklärt Bergedieck abschließend.

An einer Gründung interessiert? Schreibt uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder ruft uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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