2.8.2019 - Jann Raveling

Die Bremer Stadtfabrikanten – starke Marken aus Bremen

Starthaus Beratung
Sascha Mühlenbeck und seine Frau Nadine Niebank im Holtorfs Heimathaven. © Mario Piera

Gin, Craftbeer, Spezialkaffee, Likör – bei den „Bremer Stadtfabrikanten“ vereint sich, was kleine Manufakturen und Werkstätten in der Hansestadt mit viel Liebe und Herzblut herstellen. Jetzt suchen sie nach neuen Mitgliedern.

Eine Entdeckungsreise durch Bremen

Dunkles Holz, massive Regale bis an die Decke, unzählige Fächer und Schubladen, ein imposanter Tresen. Das ist „Holtorfs Heimathaven“  im Viertel. Die originale Einrichtung des Kolonialwarenladens von 1912 macht den Charme des Bremer Kleinods aus.

In den Regalen: Handgemachtes von kleinen Manufakturen, fernab vom Massengeschäft. Und vieles davon kommt aus Bremen. Etwa der Kaffee von Cross Coffee, Gin von Piekfeine Brände, Bier von der Union Brauerei, Honig von Hinterhof. „Diese junge Marken wollen eine ganz neues Bremer Markenbewusstsein schaffen“, erzählt Sascha Mühlenbeck. Der 41-jährige Inhaber von Holtorfs Heimathaven liebt Handgemachtes, Echtes, ehrliche Produkte. „Bei uns steht überall Craft drauf!“

Handgemacht: Alles andere als kalter Kaffee

Wie etwa bei Cross Coffee. Die Kaffeerösterei in Gröpelingen fertigt ihre eigenen Sorten, handverlesene Bohnen, sozial und ökologisch nachhaltig eingekauft. Mit Liebe zum Detail und einem feinen Näschen. Dahinter steckt Oliver Kriegsch. Der 51-jährige hat das Unternehmen 2013 gegründet. Er trifft damit einen Trend: Handwerkliche, regionale Produkte, auch als „Craft-“ bezeichnet, halten in immer mehr Bereichen Einzug. Sie finden dort eine Nische, wo qualitätsbewussten Konsumenten Industrieware aus den ein oder anderen Gründen nicht mehr reicht. Oder, wie Kriegsch es ausdrückt: „Bremer lieben Bremer Produkte!“, und wollen Marken und Macher zum Anfassen.

Gemeinsamer Messestand für Bremer Marken

Kriegsch und Mühlenbeck kennen sich gut, Cross Coffee wird im „Heimathaven“ verkauft und auch direkt zubereitet. Eines gemeinsamen Abends entstand die Idee, einen Stand bei der Bremer Lebensmittelmesse „Fisch & Feines“ zu mieten und neue Kundinnen und Kunden für sich zu begeistern. „Aber einen so großen Aufwand konnten wir zwei nicht stemmen“, sagt Kriegsch. Sie sponnen ihre Idee weiter und aus dem Zweierstand wurde schnell ein „Bremer Stand“, vollgepackt mit Produkten kleiner Manufakturen.

Aber wer sollte dabei sein? Innerhalb von wenigen Tagen trommelten sie befreundete Chocolatiers, Imker, Brauereien und Werkstätten zusammen, begeisterten sie von ihrer Idee. Einen Namen fanden sie auch: Die „Bremer Stadtfabrikanten“.

Craftprodukte mit regionalem Bezug im Trend

Der Verein mit zurzeit 25 Mitgliedern will ein Netzwerk schaffen, in dem sich kleine Produzenten gegenseitig unterstützen und mit Know-How weiterhelfen. „Gemeinsam sind wir stärker. Wir wollen die Stadtfabrikanten vermarkten, unser Herz für Handgemachtes zeigen!“, sagt Mühlenbeck. Das Markenimage der Hansestadt habe zuletzt gelitten, so der gelernte Gastronom, aber Bremen sei nach wie vor eine Markenstadt. Und mit ihrer Idee haben sie Erfolg: Supermärkte fragen bereits nach, Kooperationspartner melden sich, das Interesse ist groß.

Bei gemeinsamen Treffen wie hier im Grööns Restaurant entstehen neue Projekte. © Stadtfabrikanten

Ideen für Bremen – Stadtfabrikanten sind vorne dabei

Auch beim Crowdfunding-Wettbewerb „Ideen für Bremen“ auf der Bremer Crowdfundingplattform „Schotterweg“ im Sommer 2018 räumten die Fabrikanten richtig ab: Mit dem zweiten Platz und mehr als 14.000 Euro Unterstützung konnten sie die Hanseaten überzeugen. Zugleich gewannen Sie den Jurypreis in Höhe von 9.500 Euro.

Der Verein befände sich noch in der Ausrichtungsphase, so Mühlenbeck, aber in regelmäßigen Treffen und in Arbeitsgruppen werde bereits aktiv an der Zukunft getüftelt. So wollen sie Einkaufsgemeinschaften bilden, um günstiger an Waren zu kommen, planen interne Seminare, bauen gerade eine Webseite und gestalten einen Flyer, der Touristinnen und Touristen den Weg zu den Manufakturen der Stadtfabrikanten weisen soll. “Wir haben sehr unterschiedliche Produkte, deshalb ist es wichtig, ein starkes Netzwerk zu bilden”, erzählt Mühlenbeck.

Die Extrameile gehen

Viel zu tun. Vor allem, da die gesamte Arbeit ehrenamtlich, quasi nebenbei, läuft. Denn Mühlenbeck, Kriegsch und ihre Mitstreiter müssen Läden führen, Kaffeebohnen rösten, Liköre ansetzen. Für den ehemaligen Leiter der Bremer Starbucksfilialen Mühlenbeck ist es das aber wert. „Das tut Bremen gut. Und das wollen wir!“, versichert er und erzählt stolz weiter: „Wir haben schon erste Kooperationen zwischen einzelnen Manufakturen initiieren können.“

Der Verein heißt neue Mitglieder gerne willkommen – egal ob junges Start-up, alteingesessenes Geschäft, kleine Werkstatt oder innovatives Modelabel. Eine Beschrämkung auf reine Lebensmittel und Getränke gibt es nicht, im Gegenteil: Auch Tischlerinnen, Modedesigner oder Schuhproduzentinnen können mitmachen. Mühlenbeck: „Es muss nicht immer um Essen und Trinken gehen, nur handgemacht und ehrlich soll es sein!“

Mehr zur Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft in Bremen bei der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Oder bei: Dieter Voß, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, dieter.voss@wah.bremen.de, 0421 361-32175

An einer Gründung interessiert? Schreiben Sie uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder rufen Sie uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn Sie Fragen zu Ihrer Gründung(sidee) haben. Wir haben die Antworten.

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