Drei Valispace Gründer
8. Oktober 2018

Vom Bremer Raumfahrt-Start-up zum Gründerpreisträger

Ein hochkomplexes Satellitenprojekt per E-Mail, Word und Excel abwickeln? Das geht auch besser, dachte sich Marco Witzmann und entwickelte die webbasierte Software Valispace. Sein junges Unternehmen gewann damit den KfW Award Gründen 2018 in Bremen.

Seit den 60er Jahren nutzen Ingenieure dokumentenbasierte Prozesse. Seitdem hat sich an dem Prozedere, alles sorgfältig in Tausenden und Abertausenden Dokumenten aufzuschreiben eigentlich nur eines geändert: Die Computertastatur ersetzte die Schreibmaschine. Gleichzeitig sind die Prozesse aber um ein Vielfaches komplexer geworden. „Nach meinem Studium habe ich als Satelliteningenieur gearbeitet“, erzählt Marco Witzmann, Mitbegründer und CEO der Valispace GmbH. „Anstatt Hightech erwartete mich ein Daten-Wirrwarr.“

Mit Valispace Ordnung ins Daten-Chaos bringen

Das Problem: An einem so komplexen Projekt wie dem Bau eines Satelliten arbeiten viele Unternehmen und Zulieferbetriebe gleichzeitig. Das jahrelange Planen schafft ein Wust aus Daten und Dokumenten. Datenmanager versuchen dieser Unterlagen Herr zu werden. „Es ist aber unmöglich, Unstimmigkeiten und Widersprüche bei so vielen verschiedenen Akteuren auszuschließen“, erklärt der Diplom-Ingenieur. „Datenmanager werden eingestellt, um das Problem zu managen.“ Eine wirkliche Lösung gab es nicht.

„Jedes Start-up sollte vor allem eines tun, um Wert zu schaffen: real existierende Probleme erkennen und lösen. Wenn man seine eigenen löst, ist man sich sicher, dass es schon mal einen ersten Kunden gibt.“ (Marco Witzmann)

 

Witzmann beschloss selbst eine Lösung zu programmieren. Er machte sich ans Werk, um eine webbasierte Software zu entwickeln. Sie sollte einerseits komplex und intelligent genug sein, um Projekte wie den Satellitenbau über viele Firmen hinweg genauestens zu bearbeiten. Andererseits sollten die Ingenieure sie leicht handhaben können und keine lange Einarbeitungszeit benötigen.

„In diesem Prozess war es für mich wichtig, mit anderen Ingenieuren aus der Luft- und Raumfahrt in Kontakt zu treten und Mitstreiter für mein Start-up zu finden“, so der Valispace-Gründer. Bei verschiedenen Veranstaltungen, Workshops und Treffen zum Thema Start-ups in der Luft- und Raumfahrt in Bremen fand Witzmann Gleichgesinnte. Eine Bremer Delegationsreise führe ihn im Sommer 2016 in das Mekka der Hightech-Start-ups Silicon Valley. „Es war großartig, so viele Geschäftskontakte zu knüpfen“, erzählt Witzmann. „Das Problem ist aber immer noch, dass die großen Raumfahrtunternehmen nur zögerlich mit Start-ups zusammenarbeiten. Selbst in Silicon Valley gibt es da noch Steigerungspotenzial.“ Dabei sei die B2B-Vernetzung sehr wichtig für diese komplexen Projekte.

 

Die webbasierte Software Valispace
Die webbasierte Software Valispace sorgt für Arbeitserleichterung bei Ingeneuren © Valispace UG (haftungsbeschränkt)

Landessieger des KfW-Gründerawards 2018

Bremen ist die Hauptstadt für Luft- und Raumfahrt in Deutschland. „Hier sitzen die großen und potenziellen Kunden von Valispace“, sagt Witzmann. Dass er mit seinem jungen Softwareunternehmen auf der richtigen Spur ist, zeigte ihm der Gewinn eines wichtigen Gründerpreises. Der Ingenieur bewarb sich im Sommer 2018 beim Award Gründen der KfW Bankengruppe. Diese Auszeichnung vergibt die KfW seit 1998 an junge Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit. Sie können aus allen Branchen stammen. Eine Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der KfW, Politik und Wirtschaft, wählt die besten Geschäftsideen aus jedem Bundesland. Außerdem gibt es einen Bundessieger, einen Publikumssieger und einen Sonderpreis für „Social Entrepreneurship“. Diese Preise erhalten die Start-ups im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Deutschen Gründer- und Unternehmertage, kurz deGUT, in Berlin. Witzmann hat die Jury mit Valispace überzeugt und ist der diesjährige Landessieger für Bremen. Weitere Unterstützung erhielt das Start-up vom High-Tech Gründerfonds. Das Investment betrug eine Million Euro.

Auch große Luft- und Raumfahrtkonzerne hat das junge Software-Unternehmen bereits für sich gewonnen. Airbus nutzt zum Beispiel Valispace, um auf Daten gestützte Entscheidungen darüber zu treffen, in welche Technologien und Forschungen investiert werden soll. Im vergangenen Jahr ist das Valispace-Team von drei auf zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen. Angesprochen auf seine weiteren Pläne für die Zukunft antwortet Witzmann: „Wir wollen mit Valispace auch Ingenieure aus anderen Branchen unterstützen, denn die berichten von den gleichen Problemen. Unser Fokus wird dabei weiterhin auf technisch komplexen Produkten liegen, die in kleinen Stückzahlen hergestellt werden.“

Start-up-Landschaft an der Weser

Gerade die Veranstaltungen in Bremen hätten dem Valispace-Chef dabei geholfen, mehr Start-up-Wissen zu generieren und neue Geschäftskontakte zu knüpfen, resümiert Witzmann. Für viele Gründende sei es wichtig, Anlaufstellen zu haben, um das richtige Wissen zur richtigen Zeit zu bekommen. Aber wohin soll man zuerst gehen, um erste Infos rund um das Thema Gründen zu bekommen? Und wohin wenn es ernst werden soll? Die One-Stop-Agency Starthaus Bremen nimmt Gründungsinteressierten diese Fragen ab. Als zentrale Anlaufstelle berät das Starthaus zum Businessplan, über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten und lotst zu passenden Stellen im Starthaus-Gründungsnetzwerk. In dieser Patenfunktion begleitet das Starthaus Start-ups von der Idee bis über die Gründung hinaus. Die Beratung ist vertraulich und für alle kostenfrei.


Schreiben Sie uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder rufen Sie uns unter +49 (0)421 9600 372 an, wenn Sie Fragen zu Ihrer Gründung(sidee) haben. Wir haben die Antworten.

 

Bild oben: Die drei Valispace Gründer (v.l.n.r.): Louise Lindblad, Simon Vanden Bussche, Marco Witzmann © Valispace UG (haftungsbeschränkt)