8.7.2021 - Neuer Morgen und Starthaus

Starthaus SocialCamp Konsum: ein Gespräch mit dem Gewinner-Team Neuer Morgen – leicht gemacht

Social Entrepreneurship
Starthaus SocialCamp Konsum: ein Gespräch mit dem Gewinner-Team Neuer Morgen – leicht gemacht

Im zweiten Starthaus SocialCamp drehte sich alles rund um das Thema Konsum. Während des zweieinhalbtägigen Workshops haben die Teilnehmenden an vier Projekten gearbeitet. Im Finale hielten sie ihre Pitchpräsentation – die Gewinner sind: Neuer Morgen – leicht gemacht. Wir haben nachgefragt, welche Idee das Team hat und wie es weitergehen wird.

Starthaus: Ihr habt im Starthaus SocialCamp Konsum eine Projektidee entwickelt – um welches Thema wollt ihr euch kümmern?

Neuer Morgen – leicht gemacht: Viele Menschen fühlen sich überfordert beim Ansatz, klimafreundlicher zu leben. Wie trenne ich richtig? Welche Verpackung oder welches Produkt ist denn nun nachhaltiger? Macht es überhaupt Sinn, wenn ich nicht 100 Prozent „korrekt“ lebe? Daraus folgt eher eine Verweigerungshaltung. Und wir wollen ermutigen und motivieren, mit ersten kleinen Schritten zu beginnen, kleine Erfolge zu feiern. Und dann Muse und Lust auf den nächsten, etwas größeren Schritt zu entwickeln, um bewusst nachhaltig zu leben und die Welt jeden Tag etwas besser zu machen. Für diese Idee wollten wir ein Konzept entwickeln.

Für eure Lösung Neuer Morgen – leicht gemacht habt ihr den ersten Platz gewonnen. Was steckt dahinter?

Unser Leitgedanke war, den Menschen das Thema Nachhaltigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit zu vermitteln. Es hat ja  auch ein Imageproblem: Menschen verbinden Nachhaltigkeit mit Verzicht, Einschränkung, Komfortverlust. Ja, wir brauchen ein Umdenken und müssen unseren Lebenswandel ändern – aber das kann auch positiv vermittelt werden. Mit „Neuer Morgen“ wollen wir damit beginnen, zunächst ein Café und Concept Store in einem Haus mit Ladenfläche zu etablieren. Dort werden nachhaltige und - wo möglich - regional gefertigte Produkte angeboten. Zudem werden Informationen zum Einmaleins einer nachhaltigeren Lebensweise und die Art und Weise, wie nachhaltigerer Konsum aussehen kann durch Aktionen und Veranstaltungen verbreitet. Lasst uns einen Treffpunkt für Nachhaltigkeit in eurer Region schaffen!

Während ihrer Pitch Präsentation - das Team "Neuer Morgen, leicht gemacht"

Bei Social Entrepreneurship geht es auch um einen unternehmerischen Ansatz, um zumindest die Kosten zu decken. Fiel es euch schwer zu überlegen, wie man mit Neuer Morgen – leicht gemacht  Geld verdienen kann? Worauf seid ihr dabei gekommen?

Für unser Projekt war die Teamarbeit Schlüssel zum Erfolg. Man kann große Ideen und Visionen entwickeln, aber am Ende muss es sich auch tragen können. Deshalb haben wir auch bei jedem Punkt überlegt: Generiert das von Anfang an Einnahmen, oder vielleicht nie? Wo kann man querfinanzieren, wo Förderungen bekommen? Und so haben wir am Ende wahrscheinlich einen guten Mix hinbekommen, der es möglich machen sollte, dass das Haus sich trägt, gleichzeitig aber auch noch Spielraum da ist. Und im Werden und Wachsen haben wir dann noch eine Schublade mit Ideen, die man ja im Zweifel auch nicht selbst umsetzen muss, sondern für externe Initiativen Raum geben kann oder über Kooperationen erreichen kann.

Ihr ward zum ersten Mal bei einem Camp zum Thema Social Entrepreneurship dabei. Was hat euch dazu bewegt mitzumachen?

Da sind die Motive der Einzelnen wahrscheinlich unterschiedlich gelagert. Was uns vereint, war klar der Wunsch und das Ziel, etwas Positives gemeinsam und mit unseren eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen zu schaffen. Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), der Konsumwahn im Heute, der Gap dazwischen – in diesem Mindset sind und waren wahrscheinlich alle Teilnehmenden unterwegs. Wir wollten weg vom Beschreiben und Jammern über die Zustände und stattdessen die  Aufmerksamkeit auf das Entwickeln von Lösungen lenken.

Was waren danach eure Eindrücke und wem könnt ihr empfehlen, bei einem Starthaus SocialCamp teilzunehmen?

Der Eindruck ist absolut positiv - wir waren ja leider nur online zusammen, was eine andere Dynamik entwickelt als ein Präsenzevent. Wir waren sehr froh, dass jedoch auch eine Online-Version möglich war, die super organisiert und strukturiert war.
Im Prinzip ist das SocialCamp ein guter Platz für alle, die eine Idee für ein Social Enterprise haben und noch offene Fragen haben, an manchen Punkten Feedback brauchen oder einen Prozess nochmal neu mit Ideen von Teammitgliedern und Mentor:innen durchdenken wollen. Bedingt durch den Aufbau des Camps werden verschiedene Aspekte einer Idee oder eines Projektes abgeklopft und können neu diskutiert werden. Im Team bekommt man jede Menge neuen Input, andere Ansichten, und damit die Chancen das Profil seiner Idee zu schärfen.

"Interesse an Nachhaltigkeit für alle durch Spaß entfachen" - die Motivation des Teams Neuer Morgen, leicht gemacht

Als Gewinnerteam im SocialCamp bietet euch das Starthaus ein besonderes Angebot. Wenn ihr weitermacht, steht euch ein Intensiv-Coaching mit dem Social Impact Lab Bremen und ein Media-Support-Paket in Aussicht. Ist das nicht ein Anreiz, Neuer Morgen – leicht gemacht tatsächlich einfach mal weiter zu denken?

Natürlich! ABER: wahrscheinlich nicht in unserem Team - wir sind über Deutschland verstreut, und so wird die Idee in vier verschiedenen Städten wirken. Und vielleicht haben wir eine:n Bremer:in auf eine Idee gebracht damit, es vor Ort zu versuchen. Oder auch nur Teile davon im Rahmen eines anderen Projekts. Der Grundansatz Nachhaltigkeit mal spielerisch anzugehen und sexy zu machen, ist ja für sehr viel mehr zu nutzen.

Spielen wir einmal Wünsch-dir-was: Welche Kompetenzen braucht ihr noch zur Weiterentwicklung, wer darf bei euch gerne einmal zum Austausch anklopfen?

Zum Austausch grundsätzlich Jede:r! Denn die Idee lässt sich an vielen Orten in einer angepassten Variante umsetzen: Ein kleiner Unverpackt-Laden in einem dörflichen Umfeld ist als Startpunkt genauso denkbar wie eine etablierte Institution im Stadtzentrum.
Wo wir am Konzept noch feilen müssen, sind rechtliche Bedingungen rund um die Immobilie, Vertragsgestaltung mit den einzelnen Partner:innen und ein Netzwerk an passenden Partner:innen, die „Neuer Morgen“ zu dem lebendigen und fröhlichen Platz machen, der es sein soll.

Angenommen, ihr habt für Neuer Morgen - leicht gemacht eine Plakatfläche in Bremen/Bremerhaven, die jede:r liest: Was würdet ihr darauf schreiben?

  1. Treffen. Lachen.
  2. Sparen. Machen.
  3. Wir warten auf Dich!
  4. Neuer Morgen. Einfach machen.

Die größten Herausforderungen der Menschheit sind gleichzeitig die größten potenziellen Märkte für Social Entrepreneurs. Wie seht ihr deren Rolle zwischen Politik, Bewegungen und ehrenamtlichem Engagement?

Social Entrepreneurs sind das Bindeglied: Sie helfen Initiativen sichtbar zu werden, zeigen Menschen Wege und Perspektiven, schaffen Bewusstsein und Akzeptanz für Veränderungen und können der Politik so den Weg ebnen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. So wie Unternehmer:innen abwägen müssen, was gerade wirtschaftlich umsetzbar ist und nur eingeschränkten Spielraum für Querfinanzierungen haben, so kann auch die Politik nur eingeschränkt Dinge auf den Weg bringen, die keine Mehrheit in der Bevölkerung haben. Und aktuell sind wir leider eine Minderheit, die mit Begriffen wie SDG, Suffizienz oder doppelte Entkopplung etwas anfangen können – und vor allem dies mit einer positiven Konnotation verwenden.


Team Neuer Morgen - leicht gemacht:
Team: Erik, Celina, Marcus, Jenni

Wenn auch ihr eine Gründungsidee habt, die sozial oder ökologisch nachhaltig ist, und ihr etwas bewirken wollt, dann meldet euch gleich bei uns. Wir bieten mit unserem Programm Social Entrepreneur by Starthaus genau die Bausteine an, die ihr für euren Erfolg benötigt. Alle Informationen zu Social Entrepreneur by Starthaus findet ihr hier.

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