5.12.2025 - Annekathrin Gut

Aus der Uni in den Markt

Erfolgsgeschichten

Das Bremer Startup BlinkBase sorgt mit KI für präzise Prognosen im Einkauf

Zwei Männer und eine Frau lächeln in die Kamera und tragen Businesskleidung.
Das Team von BlinkBase v.l.n.r.: Stefano Pinto, Alina Leinweber und Nico von Gersdorff © BlinkBase

Aus der Uni direkt ins Startup – so kann es gehen: Stefano Pinto studierte wegen der Wirtschaftsnähe an der Bremer Constructor University. Im Masterstudium Data Science engagierte er sich in einem KI-Projekt von Professor Christoph Lattemann. Und zwar so erfolgreich, dass er noch im Studium das Angebot erhielt, beim Startup BlinkBase einzusteigen. Die smarte Beschaffungsplattform hatte Latteman 2024 mit seinen Co-Gründer Nico von Gersdorff und Dr. Raoul Pilcicki gegründet.

Jung trifft erfahren: Generationenmix mit Mehrwert

Stefano Pinto ist heute Data Scientist und Leiter der Produktentwicklung. Bei BlinkBase kommt ein Team zusammen, das Generationen und Disziplinen verbindet. „Ich bin ziemlich technisch orientiert“, meint der 35-Jährige. „Ich neige dazu, den Leuten zu viele Details zu vermitteln. Nico hilft mir immer dabei, für Businessmenschen das Wesentliche herauszudestillieren." 

Nico von Gersdorff ist bei BlinkBase für die Strategie zuständig. Der 57-Jährige gründete vor über zwanzig Jahren die auf IT-Projektmanagement spezialisierte Assure Consulting GmbH und baute sie zu einer erfolgreichen Beratungsfirma auf. Seit der Übergabe der Geschäftsleitung im Jahr 2022 hat er Raum für neue Projekte – etwa als Co-Gründer und Startup-Coach bei BlinkBase. Ihn fasziniert das Thema KI mit seiner umwälzenden Kraft auf Gesellschaft und Wirtschaft: „Entweder man macht mit, oder man wird überrollt.“

Schlüsselmomente für die Ausgründung

Die BlinkBase-Lösung basiert auf KI-Algorithmen, die am Lehrstuhl von Christoph Lattemann in mehreren Projekten eingesetzt, weiterentwickelt und geprüft wurden. Mitgründer Nico von Gersdorff nennt zwei Schlüsselmomente, die ihn von der neuen KI überzeugten: Zum einen konnten bei einem Pilotprojekt mit einem Bremer Altholz-Handel die Preisprognosen erheblich verbessert werden. 

Zum anderen entdeckte die Anwendung Preismechanismen, die bisher in dem Unternehmen unbekannt waren. „Wenn in Schleswig-Holstein Förster die Preise erhöhen, dann geht das konzentrisch über Deutschland bis in den Süden. Da gibt es Preisbewegungen im Wochentakt“, sagt Nico von Gersdorff. Spätestens da war für ihn klar, dass in dem Forschungsprojekt mehr Anwendungsmöglichkeiten für das Einkaufsmanagement stecken. Eine Ausgründung könnte sie erfolgreich in den Markt bringen.

Was BlinkBase technologisch anders macht

Stefano Pinto erläutert die Technologie hinter BlinkBase: „Mit den Algorithmen, die auf neuronalen Netzen basieren, können wir mit Zeitreihen arbeiten, die sehr unregelmäßige Muster haben, keine Saisonalität besitzen oder weniger eindeutig sind.“ Das unterscheidet die Lösung von klassischer Beschaffungssoftware.

Gleichzeitig kann BlinkBase verschiedene externe Datenquellen in den Forecast einfließen lassen, zum Beispiel aktuelle Nachrichtenmeldungen, Temperaturdaten oder Marktinformationen. Das funktioniert nicht nur für Preisprognosen, sondern auch für Absatzmengen. Die Anwendung hat zudem eine übersichtliche und intuitive Benutzeroberfläche, die die Chefentwicklerin Alina Leinweber programmiert hat.

Ohne Förderung geht es nicht: Wie BAB und Starthaus helfen

Das BlinkBase-Gründungsteam erhält eine Förderung, um das Produkt weiterzuentwickeln und marktreif zu machen. Die BRE-Up-Förderung vom Starthaus Bremen & Bremerhaven, einem Segment der BAB – Die Förderbank, sorgt wesentlich fürs Gelingen, so Nico von Gersdorff: „Wir haben erste Umsätze, aber die würden nicht ausreichen, um unsere festangestellten Mitarbeitenden zu finanzieren. Die Förderung ist eine sehr große Hilfe."

Außerdem profitiert das Team von verschiedenen Angeboten des Starthauses. Dazu gehören Startup-Treffen oder Networking-Veranstaltungen, bei denen sie Kontakte zu möglichen Kund:innen oder Investor:innen aufbauen können. Teilgenommen hat das Team auch an einem „Investor Readiness Programm“, um sich für Pitches und Verhandlungsgespräche fit zu machen.

Pilotprojekte in der Holz- und Food-Branche

BlinkBase steht gerade zwischen Pilotphase und Markteintritt. Das Startup-Team und das Starthaus haben im Rahmen der Förderung Meilensteine definiert, um dies zu meistern. Sie umfassen neben der Produktentwicklung, also dem Programmieren der Anwendung, auch Pilotprojekte. Gemeinsam mit den ersten Kunden wird die Anwendung getestet und schrittweise weiterentwickelt.

Dabei bringt jede Branche andere Anforderungen mit sich. Ein Pilotkunde aus dem Baustoffhandel arbeitet mit Prognosen für verschiedene Produktgruppen im Innenausbau. Im Mittelpunkt stehen interne Verkaufs- und Bestandsdaten. Ein anderer Pilotkunde, ein Hersteller von Lebensmitteln, benötigt nicht nur Absatzprognosen für Endprodukte, sondern auch Bedarfsprognosen für Rohstoffe und Zutaten. Dabei werden zusätzlich Wetterdaten berücksichtigt, da die Nachfrage beispielsweise stark von der Wetterlage während der Grillsaison abhängt. 

Datenqualität als Herausforderung

Ein Ergebnis aus der Zusammenarbeit mit den Pilotkunden ist, dass BlinkBase nun auch Prognosen auf der Basis von internen Unternehmensdaten anbietet. Ursprünglich wollte das Startup nur mit Marktdaten arbeiten. „Wir haben aber festgestellt, dass es ein genauso großes Interesse an internen Prognosen gibt“, berichtet Stefano Pinto. 

Die Datensätze, die die Kundinnen und Kunden aus ihren ERP-Systemen übermitteln, seien allerdings oft fehlerhaft, unvollständig oder veraltet. Der Data Scientist schätzt, dass er deshalb etwa 50 Prozent seiner Zeit für die Datenbereinigung aufwenden muss. Denn: Der Algorithmus braucht lückenlose Informationen.

Großes Potenzial im Mittelstand

„Viele Firmen sitzen auf wertvollen Daten, die sie mit ihren ERP-Systemen generieren, aber nicht wirklich auswerten oder benutzen“, weiß Stefano Pinto. „Da ist schon ein großes Potenzial.“ Die Zielgruppe von BlinkBase sei der deutsche Mittelstand, der Handel und die produzierende Industrie – „eigentlich alles, was einkauft und keine eigene KI-Abteilung hat“. 

Interesse bekommt Pinto immer wieder entgegengebracht: „Auf Startup-Events wird mir regelmäßig attestiert, dass unsere Idee großartig ist, weil die Einkäufer oft nach Bauchgefühl einkaufen und dabei Millionenbeträge durch die Gegend schieben, aber das nicht mit datengetriebenen Erkenntnissen machen.“ 

Allerdings sei im deutschen Mittelstand noch viel Aufklärungsarbeit über KI nötig. Manche Einkäufer:innen sorgten sich um ihre Jobs. „Wir liefern nur Empfehlungen“, tritt Stefano Pinto den Befürchtungen entgegen. „Wir sind keine Branchenexperten, sondern kommen von der Datenseite. Unsere Daten sagen das eine – und das müssen wir mit dem Fachwissen der Einkäufer:innen zusammenbringen." Die Erfahrung und das Bauchgefühl des Einkaufsmanagements bleiben also auch in Zukunft gefragt.

Studierende und Forschende mit Gründungsinteresse

Stefano Pinto hat sein Ziel – aus der Uni direkt ins Startup – erreicht. Wenn auch ein bisschen anders als gedacht: Eigentlich hat er sich vorgestellt, dass er vom Homeoffice aus Data Science machen würde. Als Leiter der Produktentwicklung findet er sich nun regelmäßig auf der Bühne bei Startup-Events zum Beispiel vom Starthaus wieder.

Für Studierende und Forschende, die Interesse an einer Gründung haben, hat er deshalb einen Rat: „Jede Person, die in einem Startup arbeiten will, muss die Bereitschaft haben, Tätigkeiten zu übernehmen, für die sie nicht ausgebildet wurde. Man muss kilometerweit über den eigenen Tellerrand blicken.“

„BRE-Up“ Startup-Förderung

Seit 2023 können hoch innovative Tech-Startups mit Sitz im Land Bremen Förderung aus dem „BRE-Up“-Programm erhalten. Dieses zielt auf Gründungen, die ihre Prototypen weiterentwickeln möchten und zur Marktreife bringen wollen. Denn oftmals fehlen gerade in dieser Phase die finanziellen Mittel. Die „BRE-Up“-Förderung schließt diese Finanzierungslücke. Dieses Förderangebot des Starthaus Bremen & Bremerhaven wird durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Startups, die sich für die „BRE-Up“-Förderung interessieren, müssen jünger als fünf Jahre sein. Außerdem soll das Vorhaben des Unternehmens auf die Schlüsselbranchen und -technologien oder innovativen Branchen aus der Innovationsstrategie 2023 des Landes Bremen einzahlen. 

Wollt ihr ein Unternehmen gründen, euer Business sicher starten oder weiter wachsen? Dann schreibt uns gern eine Nachricht über unser Kontaktformular, wenn ihr Fragen zu eurer Gründung(sidee) habt. Wir haben die Antworten.

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